Die Uhr tickt – Notreserven bei Öl nehmen ab und Risikoprämien bei Credit&Aktien erscheinen vor allem in Europa niedrig
Seit Beginn der militärischen Eskalation gegen den Iran Ende Februar waren die Schwankungen im Ölpreis die entscheidende Determinante für die EUR-Zinskurve. Ausgehend von einer signifikanten Zunahme der EZB-Zinssteigerungserwartungen durchlief die Zinskurve eine massive bärische Verflachung; entsprechend notieren 2-jährige Swapsätze aktuell mehr als 70 Bp über dem Niveau von Ende Februar. Creditspreads – gemessen am iTraxx Europe – handeln mit 57 Bp dagegen
Seit Beginn der militärischen Eskalation gegen den Iran Ende Februar waren die Schwankungen im Ölpreis die entscheidende Determinante für die EUR-Zinskurve. Ausgehend von einer signifikanten Zunahme der EZB-Zinssteigerungserwartungen durchlief die Zinskurve eine massive bärische Verflachung; entsprechend notieren 2-jährige Swapsätze aktuell mehr als 70 Bp über dem Niveau von Ende Februar. Creditspreads – gemessen am iTraxx Europe – handeln mit 57 Bp dagegen nur 7 Bp über den Tiefständen vom Januar. Der breite Stoxx 600 konnte seine anfänglichen Verluste bis auf 4 % wieder aufholen während der S&P 500 angesichts KI-getriebener Sondereffekte neue Höchstkurse markiert.
Dieses Marktmuster verdeutlicht, dass Investoren bisher an der These festhalten, dass die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Schließung der Straße von Hormus jenseits eines temporären Inflationsimpulses begrenzt bleiben werden. Der durch die Sperrung bestehende Ausfall an Energielieferungen wird derzeit noch durch eine Reduzierung der strategischen Ölreserven kompensiert, sodass die Versorgung in Europa bisher nicht physisch eingeschränkt ist. Auch die Industrie hält bisher ihre Aktivität aufrecht. Allerdings ist der Rückgang der Reserven endlich und laut Medienberichten wird sich die Situation Ende Mai zuspitzen. Sobald die strategischen Puffer die kritische 90-Tage-Importmarke unterschreiten, nimmt der stabilisierende Puffer für den Terminmarkt deutlich ab.
Dies würde mit sprunghaft steigenden Energiepreisen einhergehen und dann unweigerlich auch die US-Wirtschaft treffen, solange die US-Regierung die Energieexporte nicht drosseln sollte, um den inländischen Preisanstieg zu dämpfen. Allerdings wäre dies ein drastischer Markteingriff. Entsprechend ist eine zeitliche Ausdehnung der Blockade der Straße von Hormus über Mitte Juni hinaus auch für die USA nur mit massiven wirtschaftlichen Kosten verbunden, ganz zu schweigen von den Kosten für den Iran aufgrund fehlender Exporteinnahmen.
Auf dieser Zeitachse, kombiniert mit den angespannten militärischen Ressourcen der USA, fußt das Basisszenario von Zins² (60 % Wahrscheinlichkeit), dass ein temporäres Einfrieren des Konflikts zwischen dem Iran und den USA eher früher als später erfolgen wird. Kommt es jedoch nicht dazu, ist eine zeitnahe Eskalation und eine Rückkehr des „heißen Krieges“ wahrscheinlich mit negativen Konsequenzen für die Ölinfrastruktur in der gesamten Region.
Marktteilnehmer in Europa und den USA müssen sich schon im Vorfeld auf mögliche Preis- und Mengeneffekte bei Energie und die damit einhergehenden Schocks für die Realwirtschaft einrichten. Angesichts der bereits hohen Risikoprämien am kurzen Ende der EUR-Zinskurve und der Gefahr eines „geldpolitischen Overkills“ sehen wir von Zins² in diesem Szenario vor allem Anpassungsbedarf bei den Risikoprämien für Credit und Aktien. Dabei dürften europäische Unternehmenswerte stärker "leiden" als US-Werte. Diese Schere würde sich noch weiter öffnen, sollten die USA zur Deckelung der heimischen Energiepreise und Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit Energieexporte (nach Europa) drosseln.
Neben deutlich höheren Creditspreads und schwächeren Aktien würde die EUR-Zinskurve sich im Umfeld zunehmender Stagflationsrisiken weiter bärisch verflachen. Unseren Abaki Fixed Income Convexity sehen wir in einem solchen Umfeld gut aufgestellt. Neben der hohen Konvexität sollte auch die zu erwartende weitere Underperformance von Bunds gegenüber Swaps einen signifikanten Performancebeitrag leisten. Verglichen mit Großbritannien oder den USA handelt der Spread zwischen Staatsanleihen (Bunds) und Swaps im 10- und 30-jährigen Kurvenbereich weiterhin auf einem recht niedrigen Niveau.
|
Weitere Artikel und Live Feed mit Marktkommentaren auf zins2.de |
|
Zins² by ICM InvestmentBank AG
Tel.: +49 (0) 30 887 106 0 |
|