Navigation im dünnen Sommerhandel: Ölpreis-Risiken, steilere Zinskurven und deutsche Politik

In der Ferienzeit im August ist das Marktumfeld von niedriger Liquidität geprägt und entsprechend erratisch können die Ausschläge am Kapitalmarkt ausfallen. Die unübersichtliche Situation am Persischen Golf tut ihr Übriges. Trotzdem halten wir von Zins² im Wesentlichen an den Grundannahmen der letzten Monate fest: Ohne anhaltende Eskalation am Persischen Golf sollte die EZB die Zinsen im September ein letztes Mal anheben; Steepener-Positionen (5J vs. 30J) bleiben für die EUR- und USD-Kurve attraktiv. In einem Sonderthema behandeln wir in aller Kürze den Ausgang der im September anstehenden Wahlen in drei deutschen Bundesländern und mögliche Implikationen für Anleihen.

Trotz der scharfen Rhetorik der US-Regierung lassen die stark dezimierten Bestände an Abfangraketen der USA und ihrer Verbündeten im Persischen Golf kaum eine anhaltende Wiederaufnahme der militärischen Konfrontation mit dem Iran zu. Aus Sicht von Zins² bleibt das wahrscheinlichste Szenario, dass die USA in den kommenden zwei Monaten die Forderungen Teherans nach einer Kontrolle über die Straße von Hormus zumindest implizit akzeptieren werden. Angesichts des tiefen Misstrauens zwischen den Konfliktparteien ist zwar weiterhin mit punktuellen militärischen Schlägen zu rechnen, das Risiko einer flächendeckenden Eskalation bleibt jedoch eingegrenzt.

Die Forderungen der Huthi-Milizen im Jemen, nun auch für die Passage des Roten Meeres Gebühren zu erheben, unterstreichen jedoch, wie fragil die geopolitische Lage und damit die Preisfindung am Ölmarkt bleibt. In unserem Basisszenario (60 bis 70% Wahrscheinlichkeit) werten wir Notierungen von Brent Crude oberhalb von 90 USD pro Barrel als zeitlich begrenzte Ausreißer. Im Durchschnitt dürfte sich der Ölpreis bis Jahresende in einer Spanne zwischen 75 und 80 USD einpendeln. Weiteren Preisrückgängen stehen sowohl die historisch niedrigen strategischen Ölreserven als auch eine anhaltend notwendige geopolitische Risikoprämie entgegen. Etwaige Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland könnten zwar theoretisch ein deutliches Abwärtspotenzial beim Ölpreis freisetzen, erscheinen auf Sicht der kommenden Monate jedoch wenig realistisch.

Geldpolitik von EZB und Fed: Zinszyklus nahe dem Hoch

Diese energiepolitische Gemengelage begrenzt sowohl in der Eurozone als auch in den USA den Druck für weitere deutliche Zinserhöhungen. Zweitrundeneffekte bei der Inflation sind bislang kaum nachweisbar, während der zeitgleiche Anstieg der Realrenditen im mittleren und langen Laufzeitenbereich die geldpolitischen Bedingungen bereits stärker strafft, als es der Blick auf die nominalen Leitzinsen vermuten lässt. Auch die Nervosität an den Aktienmärkten, wo Zweifel über die Beständigkeit der Geschäftsmodelle der Hyperscaler in den USA aufkommen, dürfte in den Gremien der Zentralbanken diskutiert werden und ein Argument gegen „leichtfertige“ Zinsanhebungen sein. Sollte die KI-Euphorie umschlagen haben wir von Zins² wenig Zweifel, dass Zentralbanken – und hier vor allem die Fed – mit einer lockereren Geldpolitik versuchen würden, die Märkte und die Wirtschaft zu stabilisieren.

Wir halten daher an unserer Einschätzung fest: Die Wahrscheinlichkeit für einen finalen Zinsschritt der EZB im September liegt weiterhin bei 60 bis 70%. Die am Markt für die Eurozone eingepreiste Straffung von knapp 60 Basispunkten bis ins zweite Quartal 2027 erscheint uns jedoch überzogen. Für die EZB bleibt die Hürde, die Zinsen in einem Umfeld schwachen Wirtschaftswachstums weit in den restriktiven Bereich (> 2,50%) anzuheben, äußerst hoch. Da hohe Gaspreise in Europa eher als Konjunkturbremse denn als Inflationskatalysator wirken und vor allem die Industrieproduktion belasten, rechnen wir nicht damit, dass die EZB ihre geldpolitische Reaktionsfunktion aufgrund des aktuell hohen Gaspreises ändert.

Nachdem die US-Notenbank Fed die Leitzinsen Ende Juli erwartungsgemäß im leicht restriktiven Bereich beließ, und Kevin Warsh in der Pressekonferenz explizit auf die Straffung der geldpolitischen Bedingungen in den USA über höhere Renditen am langen Ende der Kurve hinwies, scheint das Potenzial für eine Anhebung der Fed Funds auf 25 Bp begrenzt – wobei sie noch keine ausgemachte Sache sind. Die jüngste Zollinitiative der US-Administration dürfte die Haltung im FOMC ebenfalls nicht entscheidend verändern, da sie eher eine Restrukturierung des bestehenden Handelsregimes als eine fundamentale Verschärfung darstellt. Entsprechend sehen wir für die USA Raum für eine Abkühlung der Markterwartungen, die derzeit noch Zinsanhebungen von rund 55 Basispunkten bis Mitte 2027 einpreisen.

Die Zinskurve: Potential für Versteilung - aber Vorsicht an der Bahnsteigkante

Die von den Zentralbanken eingeschlagenen „Pflöcke“ verankern den vorderen Bereich der EUR-Kurve. Mit 2- und 5-jährigen Swapsätzen nahe 3% würden wir Renditeanstiege Richtung 3,10% eher als Kaufgelegenheit werten und Renditerückgänge Richtung 2,80% für Gewinnmitnahmen nutzen. An unseren Erwartungen der vergangenen Monate, dass sich die EUR-Kurve ausgehend vom langen Ende der Kurve versteilen sollte hat sich nichts geändert, bzw. diese Erwartungen haben sich eher noch etwas verstärkt. Die Diskussion zur Begrenzung des Anstiegs der Sozialausgaben in Deutschland unterstreicht das mangelnde Problembewusstsein in Teilen der Regierung bzw. bei den Sozialpartnern was die Notwendigkeit von Sparanstrengungen anbelangt. Gleichzeitig setzt sich der strukturelle Abbau von Industriearbeitsplätzen und damit die Ausdünnung der Steuerbasis fort, während schuldenfinanzierte Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung vorangetrieben werden. Die Hitzewelle in Europa dürfte zusätzliche staatliche Investitionen in Präventionsmaßnahmen anstoßen, so dass die Nettoneuemissionen von Staatsanleihen in der Eurozone über die ursprünglichen Prognosen hinaus ansteigen dürften. Für 10-jährige Bundrenditen erscheinen damit in den kommenden Wochen Niveaus um 3,20% wahrscheinlicher als anhaltende Rückgänge unter 3,0%. Im Bereich 30-jähriger Bunds erscheint das Niveau um 3,60% die neue Basis für eine Handelsspanne, die nach oben bis 3,75% reicht. Angesichts der Unwägbarkeiten im Persischen Golf aber auch im Roten Meer erachten wir es als angemessen, Steepener-Positionen mit „angezogener Handbremse“ zu fahren.

Für die US-Treasurykurve ist die Einschätzung mit Blick auf eine Kurvenversteilung ähnlich. Allein in den ersten beiden Jahren von Trumps Präsidentschaft nahm der Schuldenstand um 3500 Mrd. USD auf knapp 40000 Mrd. USD zu und die Prognosen zeigen kein Nachlassen der Dynamik. Pläne den Verteidigungshaushalt im kommenden Jahr um knapp 50% auf etwa 1500 Mrd. USD aufzustocken sind dabei ein Mosaikstein. Zusammen mit den hohen Anleiheemissionen der Hyperscaler im (ultra-)langen Laufzeitbereich und den in Europa und Japan abnehmenden Anleihebeständen der Zentralbanken fordern Investoren generell höhere Risikoprämien am langen Ende der EUR- und USD-Kurve, so dass die Argumente für steilere Zinskurven überwiegen. Im historischen Vergleich erscheinen die Risikoprämien sowohl in den USA als auch der Eurozone am langen Ende der Kurve weiterhin niedrig.

Parallel dazu setzt die EZB ihren Bilanzabbau fort, während der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh in den USA eine Debatte über eine beschleunigte Reduzierung der Anleihebestände auf der Fed-Bilanz initiiert hat. Private Akteure müssen folglich nicht nur das hohe Netto-Neuemissionsvolumen der Staaten absorbieren, sondern zugleich das von den Zentralbanken zurückgeführte Duration-Angebot auffangen – ein Ungleichgewicht, das sich kaum ohne strukturell höhere Risiko- und Laufzeitaufschläge ausgleichen lässt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Angebot an langer Duration im Corporate-Segment durch die beispiellose Emissionsaktivität der Technologie-Giganten (Hyperscaler) zusätzlich anschwillt: Allein für das laufende Jahr wird in diesem Sektor mit einem Netto-Neuemissionsvolumen von über 400 Mrd. USD gerechnet – Staatsanleihen stehen damit in direkter Konkurrenz zu den Emissionen dieser hoch gerateten Emittenten.

Entsprechend überwiegen aus unserer Sicht die Argumente für eine Underperformance langer Laufzeiten und damit eine Kurvenversteilung zwischen 5 und 30 Jahren sowohl in Europa als auch in den USA.

Bund-Swap Spread: Französische Präsidentschaftswahlen im Fokus

Deutsche Bundesanleihen haben sich zuletzt gegenüber Swaps entgegen unseren ursprünglichen Erwartungen etwas befestigt. Diese Outperformance korreliert mit der Ausweitung des französischen CDS- sowie des OAT-Bund-Spreads. Offensichtlich stützen Sorgen über die politische und fiskalische Entwicklung Frankreichs im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 den Safe-Haven-Status deutscher Titel und überlagern derzeit das hohe Nettoemissionsvolumen von Bunds und das strukturelle Argument für eine mittel- und längerfristige Underperformance.

Diese Tendenz dürfte bis in den Herbst mit dem Beginn der heißen Wahlkampfphase in Frankreich anhalten. Dass der Ausgang der bevorstehenden ostdeutschen Landtagswahlen im September sofortige Auswirkungen auf den Bund-Swap-Spread haben wird, erachten wir als unwahrscheinlich. Mittel- und längerfristig würde eine politische Fragmentierung und Radikalisierung der deutschen Politik eine Underperformance von Bunds ggü. Swaps allerdings wahrscheinlich machen (siehe Sonderthema).

Sonderthema: Deutsche Landtagswahlen im Herbst und Marktimplikationen

Die bevorstehenden Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt (06.09.) sowie in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin (20.09.) dürften nicht ohne Auswirkungen auf die Wahrnehmung Deutschlands bei internationalen Investoren bleiben, auch wenn die direkten Auswirkungen auf Bunds zunächst gering sein sollten (die politische Unsicherheit in Frankreich "hilft"). Insbesondere das Ergebnis in Sachsen-Anhalt steht im Fokus der Märkte: Sollten FDP, Grüne und BSW an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, könnte die AfD dort bei jüngst gemessenen Umfragewerten von bis zu 41% eine absolute Mandatsmehrheit erringen. Zudem deuten die Umfragen auf eine zunehmende politische Fragmentierung im Berliner Abgeordnetenhaus hin, während in Mecklenburg-Vorpommern eine rot-rot-grüne Koalition derzeit noch knapp die Nase vorn hat.

In Kombination mit der ausgeprägten Umfrageschwäche der Bundesregierung verstärkt sich der Eindruck, dass Deutschland der politischen Entwicklung anderer europäischer Staaten folgt, in denen das etablierte Parteiensystem stark zersplittert ist. Der Unterschied ist allerdings, dass Deutschland bisher zumindest politisch als Stabilitätsanker in Europa und vor allem für die EU wahrgenommen wurde. Internationale Investoren und Großkonzerne bewerten den Standort Deutschland primär unter den Aspekten der Stabilität, Planungssicherheit und der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für Wachstum. Ein deutlicher Erstarkungsschub populistischer Kräfte dürfte zum Belastungsfaktor werden, der Unternehmensinvestitionen hemmen und das langfristige Potenzialwachstum schwächen würde. Der ohnehin bestehende strukturelle Gegenwind für den Industriestandort – von hohen Energiekosten bis zum Demografie- und Fachkräftemangel – würde dadurch weiter verstärkt. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten der politischen Veränderung für die EU wenn neben Frankreich auch in Deutschland der bisherige pro-europäische Kurs nachlassende Unterstützung erfährt.

Sollte die sich abzeichnende politische Fragmentierung und Radikalisierung der politischen Landkarte in Deutschland das Trendwachstum der deutschen Wirtschaft dämpfen, hätte dies zeitverzögert negative Folgen auch für die Wahrnehmung deutscher Bundesanleihen. Ein schwaches BIP-Wachstum erschwert die Einhaltung der Schuldenbremse und könnte mittelfristig die Diskussion über die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen intensivieren – selbst wenn sich diese Effekte erst über einen mehrjährigen Horizont manifestieren. Dennoch wären wir von Zins² nicht überrascht, wenn Bunds als unmittelbare Reaktion auf die Wahlergebnisse gegenüber anderen AAA-bewerteten Staatsanleihen (wie etwa holländischen Staatsanleihen) sowie gegenüber Swaps (Asset-Swap-Spreads) eine leichte Underperformance zeigen würden. Die relativen Preisbewegungen dürften insgesamt jedoch gering bleiben.

Differenzierter dürften die Finanzmärkte hingegen die Emissionen der Bundesländer (Länderanleihen) bewerten. Zwar schützen der bundesdeutsche Finanzausgleich und die verfassungsrechtlich verankerte Beistandspflicht die Gläubiger vor Ausfällen, doch könnten erhöhte Unsicherheiten bei der Haushaltsaufstellung auf Landesebene sowie restriktivere ESG-Vorgaben mancher Investoren punktuell zu geringfügigen Renditeaufschlägen (Spreads) bei Neuemissionen aus Sachsen-Anhalt oder Berlin führen.

Eingepreiste Veränderung Leitzinsen (kumuliert)

Eingepreiste Veränderung Leitzinsen (kumuliert)

Im Zuge der erneuten Eskalation im Persischen Golf und steigenden Energiepreisen haben die Zinssteigerungserwartungen für die Zentralbanken wieder etwas angezogen. Am stärksten fiel die Veränderung für die EZB aus, wo die Erwartungen für März 2027 um etwa 30 Bp zulegten. Weniger deutlich fiel der Anstieg in den USA aus, was unter anderem die von Fed Chef Warsh propagierte Politik der ruhigen Hand widerspiegeln dürfte. Für Japan hielten sich die Zinserwartungen im Monatsverlauf mit einem Plus von 25 Bp bis Dezember 2026 nahezu stabil. Angesichts des zunehmenden Lohndrucks sehen wir das Risiko, dass die Bank of Japan als „behind the curve“ wahrgenommen wird und entsprechend das lange Ende der JGB-Kurve weiter volatiler wird. Die Zinserwartungen für die Bank of England sind im Monatsvergleich nach schwachen Wirtschaftsdaten um knapp 25 Bp zurückgegangen. Bis Mitte nächsten Jahres preisen die GBP-Forwards nur noch einen Zinsschritt ein.

Erwartete Veränderung EZB Einlagensatz

Erwartete Veränderung EZB Einlagensatz

Die EZB ließ die Zinsen im Juli erwartungsgemäß unverändert bei 2,25%. Allerdings war die Tonlage von Lagarde angesichts der erneut deutlich angezogenen Energiepreise hawkish und die Erwartungen für eine 25 Bp Zinserhöhung der EZB am 10. September erscheinen gerechtfertigt. Zinsanhebungen über den oberen Rand von 2,50% des „neutralen" Zinskorridors hinweg werden von uns als deutlich weniger wahrscheinlich angesehen, als vom Markt, der per März 2027 etwa 50 Bp an Zinserhöhungen einpreist. Die holprige Konjunktur in der Eurozone sowie die Straffung der geldpolitischen Bedingungen durch den Anstieg der nominalen und realen Renditen im hinteren Kurvenbereich bestärken unsere vorsichtige zinspolitische Einschätzung.

EUR-Swap (6m)

EUR-Swap (6m)

Die EUR-Swapkurve hat sich im Zuge der erneuten militärischen Eskalation am Persischen Golf und angestiegenen Energiepreisen im Vergleich zu Anfang Juli bärisch verflacht. 5-jährige Swapsätze legten um knapp 30 Bp zu verglichen mit einem Plus von 18 Bp für 30-jährige und 15 Bp für 50-jährige Laufzeiten. Im Vergleich zu vor dem Krieg notieren 2-jährige Swapsätze aktuell um über 80 Bp höher verglichen mit einem Plus von 50 Bp für 10-jährige, etwa 30 Bp für 30-jährige und 20 Bp für 50-jährige Laufzeiten.

Komponenten der EUR-Swapkurve: Veränderung zum 30.06.26

Komponenten der EUR-Swapkurve: Delta vs. 30.06.

Der Anstieg der nominalen Swapsätze wurde im Monatsvergleich überproportional stark von steigenden Realrenditen getrieben, die im Durchschnitt für etwa 60 bis 70% des nominalen Renditeanstiegs verantwortlich waren. Inflationserwartungen legten aufgrund steigender Energiepreise ebenfalls etwas zu. Mit knapp 1,05% notieren 10-jährige Realrenditen auf dem höchsten Niveau seit 2011 was angesichts des fehlenden konjunkturellen Aufschwungs vor allem die Risikoprämien angesichts stark steigender Nettoemissionen bei gleichzeitigem Bilanzabbau der EZB widerspiegelt.

Kurvenspread EUR-Swap (6m)

Kurvenspread EUR-Swap (6m)

Der Kurvenspread zwischen 2 und 10 Jahren hat sich im Monatsvergleich leicht versteilt, wobei das Niveau zwischen 28 und 14 Bp schwankte, getrieben durch die Energiepreisentwicklung und die Veränderungen am kurzen Ende der EUR-Kurve. Die Kurve zwischen 10 und 30 Jahren bleibt dagegen mit einem Spread von knapp 10 Bp deutlich flacher als zu Beginn des Julis (16 Bp). Letzteres spiegelt aus unserer Sicht vor allem den generellen Anstieg der Risikoprämien jenseits von 5 Jahren aufgrund zunehmendem Supplydruck wider. Wir halten unverändert an den Erwartungen fest, dass sich die Kurve zwischen 5 und 30 Jahren versteilen wird.

Bund-Swap Spread

Bund-Swap Spread

Bunds haben im Laufzeitbereich zwischen 2 und 10 Jahren im Juli gegenüber Swaps leicht outperformt. Die Verteuerung fiel im Bereich zwischen 2- und 5-jährigen Laufzeiten mit +2 Bp stärker als bei 10-jährigen Bunds aus (+1 Bp). Treiber der Entwicklung ist aus unserer Sicht u. a. die zunehmende Sorge vor einem Sieg Le Pens bei den französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 und der dann drohenden Instabilität in der Eurozone. Trotz der vielfältigen Probleme Deutschlands profitieren Bunds in diesem Umfeld von leichter Safe-Haven Nachfrage gegenüber Swaps. Dass der Trend an Dynamik gewinnt glauben wir allerdings nicht. Die Situation beim Buxl-Spread (30J) ist deutlich komplizierter. Hier spielen Safe Haven Flows keine Rolle und dieser Teil der Kurve ist generell deutlich weniger liquide und wird von Flows der Pensionskassen und Versicherungen dominiert. Aktuell ist der entscheidende Faktor, ob und wie deutlich niederländische Pensionskassen im Rahmen der Umstellung auf das Defined Contribution Regime ultra-langlaufende Receiver-Swaps glattstellen werden. Bisher scheint dies zu Beginn des 2. Halbjahres nicht stattzufinden und entsprechend hat der Buxl gegenüber Swaps underperformt.

Marktdaten: Zinsen & Spreads

Stand 30.07.2026
Δ vs. 30.06.2026
Zinsen
Δ
2y5y10y30y 2s10s10s30s
IRS 2.9625.1 3.0228.1 3.1826.4 3.2719.7 21.51.3 9.7-6.7
i-Spread (bps)
Δ
2y5y10y30y 2s10s10s30s
GER GOV -20-1.8 -14-0.2 -31.3 383.7 183.1 412.4
FRA GOV -3-2.8 330.1 752.5 1455.9 785.4 703.3
ITA GOV -1-2.5 341.2 793.6 1465.1 806.1 671.5
i-Spread (bps)
Δ
2y5y10y30y
KfW -11-0.9 63.1 233.2
EU -12-1.6 70.4 331.4 933.7
Land NRW -4-3.2 142.6 262.4 581.5
COV AAA GER 5-0.4 181.2 312.6

Marktdaten: Swaption Vols

Stand 30.07.2026
Δ vs. 30.06.2026
N-Vol (bps)
Δ
IRS-Tenor
1Y2Y5Y10Y30Y
Maturity 1m 69.521.8 78.419.6 67.312.3 56.78.4 47.11.3
3m 74.321.9 80.221.2 70.313.5 61.68.7 51.71.8
6m 77.320.0 80.519.5 72.113.0 65.99.4 59.45.5
1y 80.518.2 81.017.1 75.112.1 68.17.7 62.44.4
2y 80.413.3 79.813.1 75.310.1 70.77.6 65.55.0
5y 75.97.3 75.57.1 72.86.1 70.64.9 66.44.0
10y 72.04.1 72.14.1 70.03.5 68.03.0 64.13.1

10J Swap vs. Standardabweichung

10J Swap vs. Standardabweichung

Der Graph zeigt den 10jährigen Swapsatz im Vergleich zu seiner (zeitabhängigen) Standardabweichung. Nach dem scharfen Anstieg der impliziten Volatilitäten nach Ausbruch des Iran-Konfliktes, haben sich die Vol-Erwartungen wieder leicht reduziert (69 Basispunkte per April 26 = Ausgangspunkt des Kegels). Das Underlying weist über den betrachteten Zeitraum von April bis Juli mit 65 Basispunkten p.a. eine 93%ige Vol-Realisierung auf. Ex Post war die Markterwartung demnach angemessen. Aktuell liegt die implizite Volatilität (3m10y) bei 52 Basispunkten.

Abaki Fixed Income Convexity

Rückblick

Der Abaki Fixed Income Convexity verzeichnet YTD eine Performance von +4,8% und hat sich im Juli damit kaum verändert. Ausschlaggebend dafür sind eine leichte Long-Positionierung am kurzen Ende sowie eine nach wie vor sehr konservative Spreadbewertung der ultra-langen NRW-Bonds im Kernportfolio.

Positionierung

In den letzten Wochen haben wir die Quote ultra-langer Bonds in der Kernstrategie des Abaki Fixed Income Convexity erhöht. Den dadurch gestärkten Gamma-Überhang nutzen wir, um bei Gamma-Neutralität Carry via Option-Theta zu generieren. Potenzielle Effekte aus der zweiten Umstellungswelle bei den niederländischen Pensionsfonds sehen wir durch das gestiegene Zinsniveau weiter reduziert und präferieren 5s30s Steepener als eine ausgewogene Gegenpositionierung zum Long-End-Flattener. Die Zinsmärkte preisen aktuell ein eher moderates Volatilitäts-Umfeld, welches wir trotz der bestehenden Unsicherheit zur Monetarisierung der Konvexitätsprämie am Geld verkaufen.

ICM