Kein EZB-Schritt im Juli – Entspannung am Golf sollte zu Repricing der (zu) restriktiven Zinserwartungen führen
Die EZB hat den Leitzins gestern erwartungsgemäß um 25 Basispunkte angehoben. EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschrieb diese Zinserhöhung ausdrücklich nicht als einen bloßen „Versicherungsschritt“. Angesichts der hohen Unsicherheit bei der Inflation und geprägt von den Erfahrungen aus dem Jahr 2022, als die Notenbank zu spät agierte, dürfte der EZB-Rat vorerst weiter einen Straffungs-Bias betonen. Die kommende Sitzung am
Die EZB hat den Leitzins gestern erwartungsgemäß um 25 Basispunkte angehoben. EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschrieb diese Zinserhöhung ausdrücklich nicht als einen bloßen „Versicherungsschritt“. Angesichts der hohen Unsicherheit bei der Inflation und geprägt von den Erfahrungen aus dem Jahr 2022, als die Notenbank zu spät agierte, dürfte der EZB-Rat vorerst weiter einen Straffungs-Bias betonen. Die kommende Sitzung am 23. Juli ist damit theoretisch zwar offen (live), wir von Zins² setzen die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Zinsschritt jedoch nur bei 10-20 % an – im Gegensatz zu den knapp 50 %, die derzeit von den €STR-Forwards eingepreist werden. Sollten sich die jüngsten Hinweise auf eine fundamentale Einigung zwischen den USA und dem Iran bestätigen und die Straße von Hormus zügig wieder geöffnet werden, dürfte der EZB-Zinsausblick auch über den Juli hinaus ein dovishes Repricing erfahren, denn der Inflationsdruck über die Energie- und Lieferkettenschiene würde deutlich nachlassen.
Bislang halten wir von Zins² aber (noch) an unserem Basisszenario fest: Die EZB wird im September ein letztes Mal an der Zinsschraube drehen, wobei auch für diesen Schritt die Wahrscheinlichkeit nur knapp über 50% liegt; bei einer Öffnung der Straße von Hormus würden die Wahrscheinlichkeit klar unter 50% fallen. Die in den €STR-Forwards eingepreisten 40 Basispunkte an Zinssteigerungen für die EZB bis zum Jahresende erscheinen uns wenig plausibel.
Die Asymmetrie von Nutzen und Risiken oberhalb von 2,50 %
Ein Einlagensatz von 2,50 % wird im Marktkonsens allgemein als die obere Grenze des „neutralen“ Bereichs der Geldpolitik in der Eurozone angesehen. Für jeden geldpolitischen Schritt, der über dieses Niveau hinausgeht, nimmt die Argumentationshürde innerhalb des EZB-Rats damit überproportional stark zu. Ein derart restriktiver geldpolitischer Pfad würde mit der konjunkturellen Schwäche der Eurozone kollidieren. Zudem könnte er das Thema der fiskalischen Tragfähigkeit der Staatsfinanzen stärker in den Vordergrund rücken und damit das systemische Risiko für den gesamten Währungsraum erhöhen. Nutzen und Risiken einer noch restriktiveren Geldpolitik sind folglich asymmetrisch verteilt.
Portfolioempfehlung: An Übergewichtung im 5-Jahres-Bereich festhalten
In diesem geldpolitischen Umfeld halten wir von Zins² an unserer Übergewichtung 5-jähriger EUR-Laufzeiten sowie an der Erwartung einer weiteren Kurvenversteilung im Segment zwischen 5 und 30 Jahren fest. Signale einer Deeskalation am Persischen Golf erhöhen die Attraktivität dieser Positionierung.
Neben den geopolitischen Dynamiken richtet sich der Fokus der globalen Anleihemärkte nun primär auf die bevorstehende US-Notenbanksitzung am 17. Juni – die erste unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Hierbei stehen vor allem potenzielle Signale und Leitlinien zur künftigen Fed-Bilanz im Rampenlicht, da diese die globalen Laufzeitprämien (Term Premiums) maßgeblich beeinflussen dürften.
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