Anhörung im Fall Lisa Cook am Donnerstag vor dem US‑Supreme Court – wichtig für die Markteinschätzung zur zukünftigen Fed‑Politik
Die strafrechtlichen Vorladungen gegen Fed‑Vorsitzenden Powell haben die Frage der politischen Unabhängigkeit der Federal Reserve erneut in den Marktfokus gerückt. Die 10‑jährigen Inflationserwartungen (Breakevens) der US‑Treasurylinker zeigen bislang jedoch keine nennenswerte Nervosität und bewegen sich seit 2023 stabil in einer Bandbreite zwischen 2,20 % und 2,40 %. Während Trump Gerüchten zufolge auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (19.
Die strafrechtlichen Vorladungen gegen Fed‑Vorsitzenden Powell haben die Frage der politischen Unabhängigkeit der Federal Reserve erneut in den Marktfokus gerückt. Die 10‑jährigen Inflationserwartungen (Breakevens) der US‑Treasurylinker zeigen bislang jedoch keine nennenswerte Nervosität und bewegen sich seit 2023 stabil in einer Bandbreite zwischen 2,20 % und 2,40 %.
Während Trump Gerüchten zufolge auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (19.–23. Januar) die Nachfolge von Fed‑Chair Powell bekanntgeben könnte, steht am Donnerstag, 22. Januar, ein weiteres wichtiges Ereignis für die Einschätzung der zukünftigen Fed‑Politik an: Der US‑Supreme Court (SCOTUS) verhandelt den Fall der Fed‑Gouverneurin Lisa Cook. Trump hatte im September 2025 versucht, sie wegen angeblicher Falschangaben bei einer Hypothek zu entlassen. Ein Gericht stoppte dies, nun befasst sich SCOTUS mit dem Fall. Ein endgültiges Urteil wird erst im April erwartet, doch könnte die Anhörung bereits Hinweise auf die Tendenz der Entscheidung liefern.
Ähnlich wie bei der anstehenden SCOTUS‑Entscheidung zur Rechtmäßigkeit von Trumps „reziproken“ Zöllen wären wir von Zins² jedoch überrascht, wenn das Gericht die Executive Power des Präsidenten weiter ausweiten würde – insbesondere vor dem Hintergrund des als Angriff auf die Fed‑Unabhängigkeit wahrgenommenen möglichen Strafverfahrens gegen Powell. Aber natürlich haben wir in diesem Feld als Europäer einen Bias in Richtung der Aufrechterhaltung bestehender Normen und Institutionen.
Sollte jedoch der Eindruck entstehen, dass Trumps Entlassungsversuch trotz dünner und widersprüchlicher Faktenlage rechtmäßig war und SCOTUS die Entscheidung des Berufungsgerichts aufhebt, wäre am Markt vermutlich mit steigenden Risikoprämien zu rechnen. Dies würde weitere Checks and Balances schwächen und politische Kurswechsel der US‑Regierung könnten noch extremer ausfallen. Zudem könnte Trump bei der Zusammensetzung des Fed‑Boards deutlich stärker „durchregieren“, da missliebige Mitglieder leichter entlassen werden könnten. Die politische Abhängigkeit der Fed würde zunehmen.
Das lange Ende der Treasury‑Kurve dürfte in diesem Szenario mit höheren Risikoprämien reagieren, Edelmetalle zusätzlichen Rückenwind erhalten und der USD tendenziell schwächer werden. Unabhängig vom Ausgang gilt: Die Anhörung im Fall Lisa Cook vor SCOTUS am kommenden Donnerstag wird für die Märkte von zentraler Bedeutung sein.
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