Davos-Ruhe, SCOTUS, JGBs: Warum die EU-Zinskurve jetzt zum "Flattener" neigt
Nach der vorübergehenden Glättung der Wogen beim World Economic Forum in Davos scheint die europäische Strategie klar: Zeit kaufen. Ein sofortiges Umdenken oder eine radikale Abkopplung der EU von den USA ist unwahrscheinlich. Man hofft auf die US-Midterm-Elections am 3. November 2026 – in der Erwartung, dass die Republikaner das Repräsentantenhaus verlieren und Trumps Spielraum schwindet. Der kritische Tenor der Richter
Nach der vorübergehenden Glättung der Wogen beim World Economic Forum in Davos scheint die europäische Strategie klar: Zeit kaufen. Ein sofortiges Umdenken oder eine radikale Abkopplung der EU von den USA ist unwahrscheinlich. Man hofft auf die US-Midterm-Elections am 3. November 2026 – in der Erwartung, dass die Republikaner das Repräsentantenhaus verlieren und Trumps Spielraum schwindet. Der kritische Tenor der Richter am US Supreme Court bei der Anhörung zum Fall Lisa Cook hat zudem die Sorge vor einer direkten Politisierung der Fed gedämpft. Damit rückt das Szenario einer extremen, politisch induzierten Kurvenversteilung in den USA erst einmal aus dem Fokus. Auch die Nachricht, dass der Sell-Off bei ultra-langen JGBs am Montag nur von sehr niedrigen Umsätzen (<500 Mio USD) ausgelöst wurde spricht zunächst gegen weitere Steepening-Impulse für die EUR-Kurve aus dem Ausland.
Was heißt das für die EUR-Zinskurve und Spreads?
Die ausbleibende Eskalation zwischen den USA und Europa und das anschließende Risk-On Sentiment spricht zunächst für eine etwas flachere Kurve – zumindest zwischen 2 und 10 Jahren. Diese Entwicklung würde zusätzliche Unterstützung von Fortschritten bei den Verhandlungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine erhalten. Da in diesem Fall das Funding für den Wiederaufbau der Ukraine stark über gemeinschaftliche Schuldenaufnahme der EU finanziert würde, stützt dies unsere Grundüberzeugung, dass Bunds weiterhin gegenüber anderen Euroland Staatsanleihen underperformen. Aufgrund des Carrys und abnehmender Risiken eines Sturzes der Minderheitsregierung von Lecornu erscheinen uns OATs aber auch slovakische und irische Staatsanleihen attraktiv, um dies umzusetzen.
Mit Blick auf den Bund-Swap Spread bleibt die Situation schwierig. Im 30-jährigen Segment und dahinter scheinen inzwischen von Seiten der niederländischen Pensionskassen Receiver-Swaps glattgestellt zu werden. Entsprechend underperformen Swaps gegenüber dem Buxl. Die Entwicklung dürfte weiter anhalten.
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