Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 07.08.2026 · 10:24

Emissionsflut der Hyperscaler: Höhere Spreads und Crowdingout von Staatsanleihen?

Die globale Emissionsflut der US-Hyperscaler hält unvermindert an. Dies verdeutlichte zuletzt die Ankündigung von Alphabet (6. August 2026), erneut Neuemissionen im Volumen von 25 Mrd. USD an den Markt zu bringen was die Gesamtemissionen des Unternehmens in diesem Jahr auf 76 Mrd. USD anhebt. An dieser hohen Primärmarktdynamik dürfte sich auch in den kommenden Quartalen wenig ändern: Die Investitionspläne

Die globale Emissionsflut der US-Hyperscaler hält unvermindert an. Dies verdeutlichte zuletzt die Ankündigung von Alphabet (6. August 2026), erneut Neuemissionen im Volumen von 25 Mrd. USD an den Markt zu bringen was die Gesamtemissionen des Unternehmens in diesem Jahr auf 76 Mrd. USD anhebt. An dieser hohen Primärmarktdynamik dürfte sich auch in den kommenden Quartalen wenig ändern: Die Investitionspläne (CapEx) im Bereich Künstliche Intelligenz werden kontinuierlich nach oben revidiert und übersteigen in der Summe zunehmend den operativen Free Cashflow (FCF) der Unternehmen (siehe Grafik). Da der Verschuldungsgrad (Leverage) der Hyperscaler – mit Ausnahme von Oracle – weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau liegt, bleibt die Fremdfinanzierung über den Anleihemarkt eine attraktive Option um die Bilanzstruktur zu optimieren.

Mit einem Volumen von 244 Mrd. USD übertrafen die bisherigen Neuemissionen der sechs führenden US-Hyperscaler (MSFT, ORCL, AMZN, META, SPCX, GOOGL) im laufenden Jahr den Vorjahreswert (105 Mrd. USD) bereits um mehr als das Doppelte. Etwa 88 Mrd. USD entfielen auf das Laufzeitensegment von über zehn Jahren (Vorjahr: 54 Mrd. USD). Währungsseitig dominieren USD-Denominierungen mit rund 75%, gefolgt von EUR- (11%) und CAD-Emissionen (7%).

Das hohe Primärmarktangebot trifft jedoch zunehmend auf Skepsis hinsichtlich der Monetarisierung der massiven KI-Investitionen. Dies zwingt Emittenten dazu, höhere Neuemissionsprämien und Risikoaufschläge zu bieten. In den vergangenen Monaten haben sich die Credit Spreads und Spreadkurven selbst bei Prime-Emittenten mit Spitzenratings wie Microsoft (Aaa) oder Alphabet (Aa2) stärker ausgeweitet, als für „normale“ Investment Grade Emittenten. Wesentlich ausgeprägter zeigt sich dieser Effekt bei Hyperscalern mit schwächerem Kreditrating: Für Oracle (Baa2, negativer Ausblick) weitete sich der 5-jährige CDS-Spread im Jahresvergleich z. B. von knapp 40 Bp auf aktuell 190 Bp aus. Dies impliziert eine kumulierte 5-jährige Ausfallwahrscheinlichkeit von rund 15% (bei einer angenommenen Recovery Rate von 40%). Vor dem Hintergrund der engen Querverflechtung und zirkulären Umsatzstrukturen (Circular Deals) im KI-Ökosystem birgt eine Kreditverschlechterung einzelner Großanbieter erhebliche Ansteckungsrisiken für den gesamten Sektor. Entsprechend müssen auch hoch-geratete Emittenten überproportionale Spreadaufschläge im Vergleich zum Gesamtmarkt bezahlen. Voraussichtlich wird sich diese Situation eher weiter verschärfen angesichts der zunehmenden Konkurrenz günstiger chinesischer KI-Modelle.

Aufgrund der hohen Emissionstätigkeit gerade im langen Laufzeitenbereich wo die Outright-Nachfrage von Investoren grundsätzlich begrenzt ist, sorgt die Emissionsflut der Hyperscaler zu Crowdingout-Effekten bei Staatsanleihen, deren Safe-Haven-Rolle angesichts steigender Staatsschulden eh schon erodiert. Höhere Renditen am langen und ultra-langen Ende der Kurve und steilere Kurven sind wahrscheinliche Folge.     


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