Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 20.03.2026 · 12:09

Energie- und Zinsmärkte bleiben nervös; EZB-Hike im April nicht ausschließen! Outrightkäufe 10-jähriger Bunds um 3% attraktiv

Die aktuelle Kommunikation Israels und der USA deutet zwar darauf hin, dass die Bereitschaft wächst, den Krieg im Nahen Osten kontrolliert „einschlafen“ zu lassen, doch ist unklar, ob der Iran bei diesem Deeskalations-Szenario mitspielt. Vor allem die Sorge der iranischen Führung, dass Israel gezielte Tötungen von Spitzenpolitikern fortsetzen könnte, solange kein verbindlicher Waffenstillstand vorliegt, spricht gegen ein sofortiges Einlenken. Eine

Die aktuelle Kommunikation Israels und der USA deutet zwar darauf hin, dass die Bereitschaft wächst, den Krieg im Nahen Osten kontrolliert „einschlafen“ zu lassen, doch ist unklar, ob der Iran bei diesem Deeskalations-Szenario mitspielt. Vor allem die Sorge der iranischen Führung, dass Israel gezielte Tötungen von Spitzenpolitikern fortsetzen könnte, solange kein verbindlicher Waffenstillstand vorliegt, spricht gegen ein sofortiges Einlenken. Eine nachhaltige Entspannung an den Energiemärkten bleibt damit vorerst Wunschdenken. Verschärft wird die Lage durch den massiven innenpolitischen Druck auf Trump: Das Risiko unberechenbarer Hochrisiko-Entscheidungen des Präsidenten – wie etwa die Besetzung der iranischen Ölverladeinsel Kharg – darf nicht ignoriert werden. Ein solcher Schritt würde eine neue Eskalationswelle auslösen. Entsprechend nervös präsentieren sich die Kapitalmärkte unmittelbar vor dem Wochenende.

Auf der geldpolitischen Ebene hat die EZB-Sitzung am Donnerstag keine Entspannung gebracht, auch da eine hawkishe Bank of England zusätzliche Verunsicherung in die Märkte brachte. Entsprechend wurden die EZB-Zinssteigerungserwartungen für das laufende Jahr auf aktuell 75 Basispunkte bis zum Jahresende angehoben. Es gilt als sicher, dass die EZB bei sich abzeichnenden Zweitrundeneffekten und steigenden langfristigen Inflationserwartungen ungleich schneller agieren wird als im Jahr 2022. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, wie viel Spielraum die EZB in einem stagflatorischen Umfeld tatsächlich hat.

Abwärtsrisiken beim Wachstum und ein geldpolitisches Instrumentarium, das gegen angebotsseitige Schocks nur bedingt wirkt, begrenzen das absolute Ausmaß möglicher Reaktionen. Scharfe Zinsanhebungen in einer Phase drohender Rezession würden pro-zyklisch wirken und die Sorgen um die Schuldentragfähigkeit sowie die Finanzmarktstabilität innerhalb der Eurozone schüren. Zinsschritte, die über 50 bis 75 Basispunkte hinausgehen, lassen sich daher kaum rechtfertigen. Dies schließt jedoch nicht aus, dass die EZB diese Schritte „front-loaded“ und bereits im April und Juni liefert, sollte eine Entspannung am Persischen Golf ausbleiben und der Inflationsdruck in den kommenden Wochen zunehmen. Unter den schlechten Optionen der EZB könnte dies noch die beste sein. Die Kommentare von Bundesbankpräsident Nagel am 20.03., der die Möglichkeit eines Zinsschritts Ende April andeutete sind damit nicht abwegig.

Für die Positionierung bedeutet dies: Das kurze Ende der Kurve bleibt volatil und nervös. Für Outright-Käufe erscheinen uns Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren attraktiv, auch da 10-jährige Bundrenditen mit nahe 3% auf dem höchsten Niveau seit 2011 notieren. Dieser Kurvenbereich dürfte selbst im Falle einer weiteren Eskalation im persischen Golf und eines Ölpreises von über 120 USD bald Unterstützung finden, da sich dann die Konjunkturaussichten so rasch eintrüben würden und Aktien- und Creditmärkte nachgäben, dass eine „Flight-to-Quality“-Reaktion der Anleger in Staatsanleihen einsetzt.


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