EUR-Zinskurve: Von Inflationssorgen hin zu Rezessionsängsten
Die aggressive Rhetorik von US-Präsident Trump im Financial Times-Interview („Take the oil“) verschiebt das Marktszenario vor dem Auslaufen des von Trump gesetzten Ultimatums gegen den Iran am 6. April in Richtung einer weiteren Eskalation. Entsprechend legt der Ölpreis auf über 115 USD zu. Sollte es zu anhaltenden Schäden an der Energieinfrastruktur am Golf ohne Öffnung der Straße von Hormuz kommen,
Die aggressive Rhetorik von US-Präsident Trump im Financial Times-Interview („Take the oil“) verschiebt das Marktszenario vor dem Auslaufen des von Trump gesetzten Ultimatums gegen den Iran am 6. April in Richtung einer weiteren Eskalation. Entsprechend legt der Ölpreis auf über 115 USD zu. Sollte es zu anhaltenden Schäden an der Energieinfrastruktur am Golf ohne Öffnung der Straße von Hormuz kommen, erscheinen auch 150 USD möglich. Der Renditerückgang zum Wochenstart zeigt dabei, dass der Fokus am Markt begonnen hat, sich von den Inflationsrisiken hin zu den Wachstums- / Rezessionsrisiken zu verschieben.
Angesichts der festen Muster bei den Auswirkungen eines Preisschocks auf die Wirtschaft und die Zinskurve ist dies kaum verwunderlich, auch wenn wir noch nicht überzeugt sind, dass die Höchststände bei den EZB-Zinssteigerungserwartungen erreicht sind. Die Grafik zeigt , dass zumindest im letzten Zyklus die Kurvenverflachung erst deutlich NACH Beginn der Zinssteigerungen der EZB ihr Maximum erreicht hatte. Angesichts der Unsicherheiten bei der Energiepreisentwicklung dürfte es auch diesmal Zeit brauchen, um das Ausmaß der EZB-Zinsanhebungen (Szenario 2 oder 3 in Lagardes Ausführungen) abzuschätzen.
Die Anatomie des Ölpreisschocks (Schematischer Verlauf)
- Monat 1–3 (Unmittelbarer Schock): Die Headline-Inflation springt sofort an, was sich schon in den heute Morgen veröffentlichten deutschen Länder-Inflationszahlen widerspiegelt. In der Eurozone ist ein Anstieg der Gesamtrate um 1,5 bis 2,0 Prozentpunkte binnen eines Quartals zu erwarten. Das BIP-Wachstum knickt nur verzögert ein, da sich die Wirtschaftssubjekte erst an die Situation anpassen müssen.
- Monat 6–9 (Der Inflations-Peak): Hier erreichen die Zweitrundeneffekte ihren Höhepunkt (ca. Herbst 2026) während die Industrieproduktion aufgrund unrentabler Energiekosten zurückgefahren wird. Die Realeinkommen der Konsumenten drehen ins Minus was den Konsum belastet.
- Monat 12+ (Die Rezessions-Tiefe): Während die Inflation schon wieder deutlich zurückgeht, erreicht die Rezession ihren Höhepunkt meist erst drei bis vier Quartale nach dem initialen Preis-Schock. Für die Eurozone bedeutet ein 100%-Schock beim Ölpreis ein BIP-Minus von ca. 1 bis 2%-Punkten, abhängig von den fiskalischen Gegenmaßnahmen.
Die Zinskurve wird in diesem Umfeld zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben:
- Das kurze Ende (2 Jahre): Hier regiert die Angst vor der Inflation und die Entschlossenheit der EZB. Da die Notenbank die „Scharte von 2022 auswetzen“ will (muss), werden die Zinsen trotz Rezessionsgefahr angehoben. Die Renditen am kurzen Ende können auch nach der schon erfolgten Anpassung seit Ende Februar weiter etwas steigen.
- Das lange Ende (10–30 Jahre): Hier gewinnen die Wachstumsrisiken die Oberhand. Je höher der Ölpreis steigt, desto stärker wird eine zukünftige Rezession eingepreist. Dies deckelt das Potenzial für steigende Renditen jenseits der 3%-Marke bei 10-jährigen Bunds, was eine weitere Kurvenverflachung bis hin zu einer zeitweiligen Inversion der EUR-Kurve zwischen 2 und 10 Jahren ermöglicht.
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