Explodierende Zinskosten: Risiko für langes Ende der EUR- und USD-Kurve!
Das kurze Ende der USD- und EUR-Zinskurve bleibt einerseits von den Schwankungen in der Diskussion um die Öffnung der Straße von Hormus dominiert. Andererseits sorgte in den USA der schwache Arbeitsmarktbericht im Juli (-23 Tsd. Stellen) sowie die Abwärtsrevisionen der Vormonate für eine leichte Entspannung bei den Zinssteigerungserwartungen für die Fed. In der aktuellen Ferienzeit liegt der Fokus nun
Das kurze Ende der USD- und EUR-Zinskurve bleibt einerseits von den Schwankungen in der Diskussion um die Öffnung der Straße von Hormus dominiert. Andererseits sorgte in den USA der schwache Arbeitsmarktbericht im Juli (-23 Tsd. Stellen) sowie die Abwärtsrevisionen der Vormonate für eine leichte Entspannung bei den Zinssteigerungserwartungen für die Fed. In der aktuellen Ferienzeit liegt der Fokus nun kurzfristig auf der Veröffentlichung der nächsten US-Inflationszahlen für Juli am 12. August. Eine erneute Überraschung nach unten (Kernrate erw. 2,5% nach 2,6% yoy) würde kurzen Laufzeiten weiteren Rückenwind geben und die These von Zins² stützen, dass sowohl für die Fed als auch die EZB die Hürde für mehr als eine Zinsanhebung um 25 Bp hoch ist. Gleichzeitig rückt aber die stark steigende Zinslast der ausstehenden Staatsschulden in den USA und Teilen Europas und damit die Schuldentragfähigkeit stärker in den Fokus. Risikoprämien (Laufzeitprämien) am langen Ende dürften weiter ansteigen (müssen) – zumindest solange die Zentralbanken nicht erneut beginnen, ihre Bilanzen auszuweiten und über Durationskäufe zu intervenieren.
Zinskosten explodieren...
In den USA belaufen sich die jährlichen Kosten für den Schuldendienst per Ende Q2 2026 auf ca. 1370 Mrd. USD – verglichen mit 465 Mrd. USD Ende 2021. Damit ist der Schuldendienst mittlerweile der größte Einzelposten im US-Haushalt, noch vor den Verteidigungsausgaben. Neben den hohen Haushaltsdefiziten und dem daraus resultierenden Schuldenzuwachs spiegelt dies den drastischen Anstieg der Finanzierungskosten wider. Der durchschnittliche Zinssatz der ausstehenden US-Staatsschulden liegt mit 3,44% auf dem höchsten Stand seit Q3 2008. Da dieser effektive Kupon jedoch weiterhin deutlich unter der aktuellen Marktrendite (ca. 4,50%) liegt, führt die Refinanzierung fällig werdender Titel zusammen mit der hohen Nettoneuverschuldung zu einer dynamischen Verschärfung der Zinslast.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Europa: In Frankreich haben sich die Zinskosten seit 2020 (30 Mrd. EUR) auf aktuell 75 Mrd. EUR mehr als verdoppelt. Bis 2030 rechnet die Regierung mit einem Anstieg auf 125 Mrd. EUR. Dies ist das Resultat der schrittweisen Anpassung der durchschnittlichen Finanzierungskosten (2,20%) an die aktuellen Marktrenditen (3,50%) bei gleichzeitig steigendem Schuldenstand.
...freiwilliges haushaltspolitisches Umsteuern ist nicht ersichtlich
Ein freiwilliges haushaltspolitisches Umsteuern erscheint kaum realistisch, da demografisch bedingt steigende Sozialausgaben auf politisch gesetzte Prioritäten wie höhere Verteidigungsausgaben treffen. Eine Konsolidierung wird daher – wenn überhaupt – nur über den Druck der Finanzmärkte in Form breiterer Spreads und steilerer Zinskurven erzwungen. Vor diesem Hintergrund sind wir bei Zins² davon überzeugt, dass das Thema der Schuldentragfähigkeit in den kommenden Quartalen noch stärker in den Marktfokus rücken wird (Bear-Steepening). Staatsanleihen dürften ggü. Swaps underperformen, auch da das schiere Volumen der Neuemissionen die Aufnahmefähigkeit des Kapitalmarkts testet. Die Safe-Haven-Prämie von US-Treasuries und Bunds wird in der Tendenz weiter erodieren, auch wenn zwischenzeitliche Ereignisse wie z. B. die Präsidentschaftswahlen in Frankreich (April 2027) zu temporären Gegenbewegungen führen können.
Dass sich die Zentralbanken dieser Entwicklung langfristig nicht entziehen können und am Ende zu Durationskäufen gezwungen sein werden (fiskalische Dominanz der Geldpolitik), ist wahrscheinlich (wenn auch zeitlich noch entfernt). Ein solches Szenario stützt anhaltende Portfolioumschichtungen in Sachwerte (Real Assets), während die Aktienrisikoprämie (Equity Risk Premium) gegenüber US-Treasuries weiter unter Druck gerät.
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