EZB hebt Zins am Donnerstag auf 2,5% an – doch der Weg darüber hinaus ist unsicherer, als vom Markt eingepreist
Eine Zinsanhebung der EZB um 25 Bp auf 2,5% und damit auf die obere Grenze des als neutral geschätzten Zinsniveaus kann bei der bevorstehenden Sitzung am 10. September als „sicher" angesehen werden. Die Marktreaktion hängt in diesem Umfeld stark von der Kommunikation von EZB-Präsidentin Lagarde bei der Pressekonferenz ab. Mit dem erwarteten Zinsschritt auf 2,5% steht
Eine Zinsanhebung der EZB um 25 Bp auf 2,5% und damit auf die obere Grenze des als neutral geschätzten Zinsniveaus kann bei der bevorstehenden Sitzung am 10. September als „sicher" angesehen werden. Die Marktreaktion hängt in diesem Umfeld stark von der Kommunikation von EZB-Präsidentin Lagarde bei der Pressekonferenz ab.
Mit dem erwarteten Zinsschritt auf 2,5% steht die EZB an einem geldpolitischen Scheideweg. Weitere Zinsanhebungen, wie sie in den ESTR-Forwards bis Mitte 2027 (auf 3%) bereits eingepreist sind, würden die Leitzinsen in den restriktiven Bereich bewegen und damit zunehmend auf dem Wirtschaftswachstum lasten. Da sich die Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft in den letzten Monaten bereits verschlechtert haben – ausgelöst durch die deutlich gestiegenen langfristigen Renditen, würde sich der negative Konjunkturimpuls zusätzlich verstärken. Ohne Evidenz für klare Zweitrundeneffekte bei der Inflation würde eine Diskussion um Zinsanhebungen über 2,5% hinaus damit einen Konflikt zwischen Tauben und Falken im EZB-Rat fast unvermeidlich machen. Diese Ausgangslage wird EZB-Präsidentin Lagarde bei der Wortwahl auf der Pressekonferenz am Donnerstag im Auge haben.
Der EZB ist zudem bewusst, dass höhere Zinsen die Ursachen hoher Energiepreise nicht beseitigen und Zinsschritte vor allem ein Signal sind, um Zweitrundeneffekten bei der Lohnentwicklung zu dämpfen (Lohn-Preis-Spirale). Dass gleichzeitig die Realrenditen in der Eurozone zwischen 2 und 10 Jahren seit Ende Juni deutlich zugelegt haben dürfte ebenfalls in der Analyse von EZB-Präsidentin Lagarde auftauchen. In der Summe sollten Lagardes Kommentare zeigen, dass der Pfad zu höheren Leitzinsen weniger eindeutig ist, als dies aktuell vom Markt eingepreist wird. Wir von Zins² sehen in diesem Umfeld das Potenzial für eine gemessen an den Markterwartungen hawkische Überraschung im Tonfall der EZB am Donnerstag als begrenzt an. Entsprechend erscheinen die Marktrisiken am kurzen Ende der EUR-Zinskurve asymmetrisch in Richtung einer Entspannung gelagert. Dagegen erkennen wir am langen Ende der Kurve aktuell kaum Argumente für eine Umkehr der Dynamik der Renditeanstiege.
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