Fallender Ölpreis lässt Inflationserwartungen sinken und Realrenditen steigen: Mittlere Laufzeiten bleiben „Sweet Spot“; Optionsprämien über Verkauf von Puts generieren
Mit aktuell rund 76 USD pro Barrel notiert Brent Crude lediglich noch etwa 10% über dem Durchschnittsniveau vom Februar – also vor dem Ausbruch des Konflikts mit dem Iran. Folgerichtig überrascht es kaum, dass auch die marktbasierten Inflationserwartungen spürbar nachgegeben haben. Die 10-jährigen Breakeven-Inflationsrate in Deutschland ist von ihrem Hoch Ende April bei 2,35% inzwischen um 45 Basispunkte
Mit aktuell rund 76 USD pro Barrel notiert Brent Crude lediglich noch etwa 10% über dem Durchschnittsniveau vom Februar – also vor dem Ausbruch des Konflikts mit dem Iran. Folgerichtig überrascht es kaum, dass auch die marktbasierten Inflationserwartungen spürbar nachgegeben haben. Die 10-jährigen Breakeven-Inflationsrate in Deutschland ist von ihrem Hoch Ende April bei 2,35% inzwischen um 45 Basispunkte (Bp.) gefallen und liegen mit aktuell 1,89% klar unter dem mittelfristigen Stabilitätsziel der EZB. Eine analoge Entwicklung zeigt sich in den USA: Hier gingen die am Markt für inflationsindexierte Anleihen („Linker“) abgelesenen 10-jährigen Inflationserwartungen von der Spitze bei 2,52% auf zuletzt 2,21% zurück – der tiefste Stand seit April 2025 und deutlich unter dem Niveau von Jahresbeginn.
Während die sinkenden Inflationserwartungen die Nominalrenditen in den letzten Wochen sinken ließ, verlief dieser Rückgang unterproportional, wodurch die Realrenditen im Gegenzug spürbar zulegten. In den USA kletterten diese im 10-jährigen Segment auf über 2,25%, den höchsten Stand seit Januar 2025, was einem Zuwachs von knapp 50 Bp. seit Anfang März 2026 entspricht. Die Realrendite 10-jähriger Bundesanleihen stieg im selben Zeitraum um knapp 20 Bp. auf etwa 0,85%. Noch ausgeprägter zeigte sich diese Dynamik am kurzen und mittleren Ende der Laufzeitenkurve (2 und 5 Jahre). So verzeichneten US-Realrenditen mit 5 Jahren Laufzeit seit Mitte April einen markanten Sprung um rund 80 Bp., während das deutsche Pendant (DBRI 04/2030) im gleichen Zeitraum um etwa 50 Bp. zulegte. Dieser Zuwachs spiegelt primär die restriktiveren geldpolitischen Erwartungen des Marktes wider und verdeutlicht die erhebliche Straffung der monetären Bedingungen in den vergangenen Monaten.
Aus analytischer Sicht bietet dieses Szenario Opportunitäten. Sofern das geopolitische Risiko im Persischen Golf nicht erneut eskaliert und eine längerfristige Blockade der Straße von Hormus ausbleibt, dürfte der nachlassende Inflationsdruck den Zentralbanken den nötigen Spielraum bieten, ihre betont hawkishe Rhetorik in den kommenden Wochen und Monaten spürbar zu mäßigen. Wir von Zins² halten daher an unserer Einschätzung fest, dass die in den Geldmarkt-Forwards weiterhin eingepreisten Zinsanhebungen der EZB (38 Bp.) und der Fed (45 Bp.) bis März 2027 in diesem Umfang kaum realisiert werden. Dies stützt unser strategisches Szenario einer Versteilung der Renditekurve im Segment zwischen 5 und 30 Jahren. Da wir von einer Deckelung der Renditen im mittleren Laufzeitbereich ausgehen erachten wir es – trotz der historisch niedrigen impliziten Zinsvolatilität – zudem als attraktiv, über eine Short-Put-Strategie auf den Bobl-Future laufende Optionsprämien zu generieren.
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