Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 30.07.2026 · 12:08

Fed Chair Warsh propagiert Politik der ruhigen Hand! Hürde für Zinsschritt im September höher als vom Markt eingepreist!

Die Entscheidung des Federal Open Market Committee (FOMC), den Zielkorridor für die Fed Funds Rate mit 9 zu 3 Stimmen unverändert bei 3,50 % bis 3,75 % zu belassen, entsprach unseren Erwartungen. Die drei Gegenstimmen, die sich für eine Zinsanhebung aussprachen, überraschten nicht – wohl aber der deutliche Renditeanstieg am langen Ende, der auch auf die Euro-Zinskurve abstrahlt. Mit über

Die Entscheidung des Federal Open Market Committee (FOMC), den Zielkorridor für die Fed Funds Rate mit 9 zu 3 Stimmen unverändert bei 3,50 % bis 3,75 % zu belassen, entsprach unseren Erwartungen. Die drei Gegenstimmen, die sich für eine Zinsanhebung aussprachen, überraschten nicht – wohl aber der deutliche Renditeanstieg am langen Ende, der auch auf die Euro-Zinskurve abstrahlt. Mit über 5,20 % notieren 30-jährige US-Treasuries heute Morgen auf dem höchsten Niveau seit 2007, wobei der Impuls maßgeblich von den anziehenden Realrenditen ausging (+7 BP seit dem Dienstagschluss). Damit spiegelt die Kurvenversteilung aus unserer Sicht eher Sorgen vor einer weiter steigenden Nettoneuverschuldung sowie einer Verkürzung der Fed-Bilanz wider als Befürchtungen, dass die US-Notenbank bei der Inflationsbekämpfung „behind the curve“ geraten könnte.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen der Sitzung vom 29. Juli für den Markt aus Sicht von Zins²:

1.     Fed-Chair Kevin Warsh präsentierte sich in der Pressekonferenz als Befürworter einer Politik der ruhigen Hand ("steady rudder").

2.     Warsh misst einzelnen Datenpunkten – wie etwa dem schwächeren Juni-CPI-Bericht – geringe Bedeutung bei und scheint erst handeln zu wollen, wenn sich Entwicklungen als nachhaltige Trends etablieren.

3.     Eine Feinabstimmung der Gesamtnachfrage bzw. der Wirtschaft über die Zinspolitik lehnt er explizit ab.

4.     Entgegen mancher Spekulationen im Vorfeld stellte Warsh klar, dass gezielte Zinsüberraschungen kein eigenständiges Kommunikationsmittel darstellen ("Surprise is not the objective function"), wenngleich sie bei einer gravierenden Änderung der Datenlage nicht völlig ausgeschlossen sind.

5.     Warsh verwies auf den Anstieg der nominalen und realen Renditen bei längeren Laufzeiten, der die Finanzierungsbedingungen strafft und somit die Notwendigkeit aktiver Leitzinsanhebungen verringere. Die Gefahr dabei ist jedoch, dass wenn diese Wirkungskette nicht ausreicht die Inflation zu bändigen, die Fed die Zinsen stark anheben muss mit entsprechend stark steigender Zinsvolatilität.

Hürde für Zinsanstieg im September ist nicht niedrig

Ausgehend von seinen Kommentaren scheint die Hürde für eine Zinserhöhung für Warsh bislang höher zu liegen, als vom Markt eingepreist wird. Ob sich allerdings die Mehrheit im FOMC dieser abwartenden Haltung anschließen wird, erscheint zweifelhaft, sollte es bei den Juli-Inflationszahlen zu einer Aufwärtsüberraschung kommen. In diesem Fall dürfte sich auch Warsh einer Zinsanhebung kaum widersetzen können, da sonst das Risiko stiege, dass sein Versprechen, die Inflation auf 2 % zu drücken, an Glaubwürdigkeit verliert – was in der Folge auch das lange Ende der Treasury-Kurve destabilisieren könnte.

Die aktuell eingepreiste Wahrscheinlichkeit von knapp 70% für eine Zinserhöhung im September erscheint uns weiterhin etwas hoch solange keine Klarheit über die Juli-Inflation besteht. Auch die Erwartungen für insgesamt zwei 25 Bp Zinsschritte der Fed bis Mitte 2027 erscheinen uns übertrieben.


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