Fed: Strukturelle Änderungen in Vorbereitung, Higher for Longer bei den Zinsen; wie lange „trägt“ das lange Ende?
Bei der ersten geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank (Fed) unter der Leitung des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh blieben die Zinsen erwartungsgemäß unverändert. Doch waren die begleitenden Signale hawkischer als von uns im Vorfeld erwartet. Der Fokus lag vor allem auf der Preisstabilität während das Ziel der maximalen Beschäftigung im stark gekürzten Fed-Statement unerwähnt blieb. Die Reaktionsfunktion der Fed scheint
Bei der ersten geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank (Fed) unter der Leitung des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh blieben die Zinsen erwartungsgemäß unverändert. Doch waren die begleitenden Signale hawkischer als von uns im Vorfeld erwartet. Der Fokus lag vor allem auf der Preisstabilität während das Ziel der maximalen Beschäftigung im stark gekürzten Fed-Statement unerwähnt blieb. Die Reaktionsfunktion der Fed scheint sich verschoben zu haben.
In Kombination mit der durch den Iran-Konflikt und die gestiegenen Ölpreise ausgelösten Anhebung der PCE-Projektion der Fed für Ende 2026 von 2,7 % auf 3,6 % fiel die Schlussfolgerung der Marktteilnehmer zu den Zinsen eindeutig aus: „Higher for Longer" mit Tendenz zur Straffung. Die Erwartungen für die Fed Funds per Ende Dez. 26 wurden entsprechend um etwa 20 Bp angehoben. Renditen am langen Ende der USD-Kurve (10- und 30-jährige Treasuries) wurden gleichzeitig durch die Kampfansage an die Inflation und die gedämpften längerfristigen Wachstumserwartungen gedrückt und die Kurve verflachte sich stark um 12 Bp zwischen 5 und 30 Jahren. Aus Sicht von Zins² dürfte dieser Effekt aber schon bald auslaufen. Sorgen um die steigende Staatsverschuldung dürften Risikoprämien für lange Treasuries strukturell erhöht halten – vor allem, wenn die Diskussion um eine Bilanzreduzierung an Fahrt gewinnt.
Die Verteilung der Zinserwartungen („Dots") zeigt eine tiefe Spaltung des FOMC: 9 von 18 Teilnehmern plädieren für mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte (bp) noch in diesem Jahr; fünf davon präferieren sogar zwei Schritte und einer drei Anhebungen. Dagegen spricht sich nur ein einziges Mitglied für eine Zinssenkung aus. Entsprechend stieg der Median für Ende 2026 von 3,4% auf 3,80%. Chairman Warsh selbst gab keine Zinsprognose ab, was seine Ablehnung jeglicher Forward Guidance unterstreicht. Trotz der ausgeprägten Bereitschaft im Komitee für eine Zinserhöhung dürfte aus unserer Sicht die Hürde für eine Zinserhöhung schon am 29. Juli hoch sein, solange der Angebotsschock beim Ölpreis weiter abklingt (Brent Crude Richtung 70–75 USD) und sich gleichzeitig das US-Wachstum leicht abkühlt (BIP-Prognose der Fed für 2026 von 2,4% auf 2,2% nach unten korrigiert). Ein „Hike" erfolgt wohl nur, wenn Zweitrundeneffekte die Kerninflation weiter ansteigen lassen (Veröffentlichung PCE-Daten (Mai) am 25. Juni. US-CPI Daten (Juni) am 14. Juli).
Kevin Warsh beendete bei seiner ersten Sitzung als Chairman die Forward Guidance der Fed. Dies dürfte zunächst zu höherer gehandelter Zinsvolatilität führen, vor allem im Vorfeld der Veröffentlichung von CPI-, PCE- oder Arbeitsmarktdaten. Darüber hinaus blieben Veränderungen begrenzt, auch da Warsh die Unterstützung im FOMC benötigt. Die Einrichtung von fünf Task Forces deuten jedoch darauf hin, dass in den kommenden Monaten eine Diskussion um tiefgreifende institutionelle Reformen der Fed und der US-Geldpolitik erfolgen dürfte. Aus Marktsicht liegt dabei vor allem der Fokus auf einer möglichen Verringerung der Fed-Bilanz.
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