Französische Präsidentschaftswahlen 04/2027 – Carry über lange OATs vereinnahmen!
Während in Deutschland die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September das politische Gefüge nachhaltig erschüttern könnte – sollte der AfD der Gewinn einer absoluten Mehrheit gelingen –, richtet sich der Fokus bei OATs zunehmend auf die französischen Präsidentschaft-swahlen im April 2027. Angesichts der anhaltenden Verbitterung über die etablierten Kräfte spiegeln die Umfragen eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen Wahlsieg des Rassemblement National (RN)
Während in Deutschland die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September das politische Gefüge nachhaltig erschüttern könnte – sollte der AfD der Gewinn einer absoluten Mehrheit gelingen –, richtet sich der Fokus bei OATs zunehmend auf die französischen Präsidentschaft-swahlen im April 2027. Angesichts der anhaltenden Verbitterung über die etablierten Kräfte spiegeln die Umfragen eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen Wahlsieg des Rassemblement National (RN) wider. Die Gretchenfrage, wer für den RN ins Rennen geht – Marine Le Pen oder Jordan Bardella –, dürfte sich am 7. Juli entscheiden. Dann verkündet das Pariser Berufungsgericht sein mit Spannung erwartetes Urteil über den potenziellen Entzug von Le Pens passivem Wahlrecht.
Aktuelle Wahlumfragen für den ersten Durchgang (11. oder 18. April 2027) sehen den RN mit 35% bis 38% der Stimmen deutlich in Führung. Dahinter folgen die Mitte-rechts-Gruppierung Horizons mit 19% sowie Emmanuel Macrons Renaissance-Bewegung mit lediglich 13%. Die linksextreme Fraktion um Jean-Luc Mélenchon stagniert ebenfalls bei rund 13%. Für eine potenzielle Stichwahl zwei Wochen später zeichnet sich jedoch ein differenziertes Bild ab: Während der RN-Kandidat gegen fast alle Bewerber siegreich wäre, liegt Horizons-Hoffnungsträger Édouard Philippe in direkten Duellen vor Bardella. Da sich der RN über die letzten Jahre ein explizit wirtschaftsfreundlicheres Profil erarbeitet hat, ist nicht mit exzessiven Marktausschlägen zu rechnen. Zudem bleibt das politische System strukturell fragmentiert: Selbst, wenn ein neuer Präsident die Nationalversammlung auflöst und Neuwahlen für Juli 2027 ansetzt, ist eine tragfähige parlamentarische Mehrheit höchst unwahrscheinlich. Diese institutionelle Pattsituation macht radikale fiskalische Experimente unwahrscheinlich. Da im Vorfeld der Wahlen der OAT-Markt auf Volatilität eingestellt ist wären wir von Zins² nicht überrascht, wenn alle Wahlausgänge außer ein Sieg Mélenchons, OATs zumindest im Vergleich zu anderen Märkten (Bunds, Swaps) stabilisieren bzw. sogar unterstützen würden.
Französischer Haushalt überraschte zuletzt eher positiv - viel Negatives ist in OAT-Spreads eingepreist!
Schon jetzt präsentieren sich französische Staatsanleihen (OATs) sowohl gegenüber Bundesanleihen als auch gegen Swaps bemerkenswert robust. OATs handeln derzeit auf deutlich engeren Spread-Niveaus als im gesamten vergangenen Jahr. Seit Ende März 2026 konnten sich die 10-jährigen Spreads trotz des globalen Aufwärtsdrucks bei den langfristigen Renditen um rund 10 Basispunkte einengen. Primärer Treiber dieser Entwicklung sind die Konsolidierungserfolge der Minderheitsregierung unter Premierminister Lecornu. Das Haushaltsdefizit für 2025 sank mit 5,1% spürbar unter den Vorjahreswert von 5,8% und unterbot die offizielle Zielvorgabe von 5,4%. Dieser positive Trend setzt sich im laufenden Jahr 2026 fort: Mit kumuliert 47,8 Milliarden Euro liegt das Defizit im ersten Quartal um knapp 10% unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Als nächste fiskalische Hürde fungiert die Budgetdebatte für 2027 ab September, die bis Mitte Dezember abgeschlossen sein muss. Da die Markterwartungen im Vorfeld des Präsidentschaftswahlkampfs ohnehin extrem gedämpft sind, dürfte bereits eine pragmatische Fortschreibung des Status quo ausreichen, um OATs zu stützen.
Zwar werden die geopolitische Krise im Persischen Golf und die gestiegenen Finanzierungskosten Bremsspuren im französischen Haushalt hinterlassen, dies gilt jedoch gleichermaßen für Deutschland und andere Kernländer der Eurozone. Ein isoliertes Underperformance-Risiko für Frankreich lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst ein in den kommenden Monaten wahrscheinliches Downgrade durch Moody’s (aktuell Aa3 mit negativem Ausblick) sollte die Nachfrage internationaler Investoren kaum belasten. Nach den bereits im Herbst 2025 erfolgten Ratinganpassungen von S&P und Fitch auf das Niveau „A+ stabil“ ist ein solcher Schritt weitgehend eingepreist.
Steile Kurve lässt OATs im hinteren Bereich gegenüber Swaps und Bunds attraktiv erscheinen
Aus Sicht von Zins² bleiben OATs aus Carry-Gesichtspunkten damit grundsätzlich attraktiv. Durch die ausgeprägte Steilheit der OAT-Kurve gilt dies vor allem für Laufzeiten jenseits von 10 Jahren. Während der i-Spread zwischen 10- und 20-jährigen OATs um knapp 40 Bp auf 100 Bp zulegt, klettert er im 30-jährigen Bereich auf knapp 140 Basispunkte. Die deutsche Bund-Kurve verläuft im Vergleich flach und der Spread-Zuwachs zwischen 10 und 30 Jahren beträgt hier lediglich rund 40 Basispunkte. Vor dem Hintergrund der zunehmenden politischen Fragmentierung in Deutschland sowie der strukturellen Divergenz in den Emissionsvolumina – die deutsche Staatsverschuldung dürfte laut Finanzplanung bis 2028 um 8,7% steigen, während Frankreichs Zuwachs auf moderatere 4,4% taxiert wird –, erachten wir das 30-jährige OAT-Segment weiterhin als attraktiv, um strukturellen Carry zu vereinnahmen. Bei einem Vergleich des Gesamtertrags des französischen mit dem deutschen Staatsanleiheindex (Bloomberg Indizes) liegt der OAT-Index seit Jahresanfang um 54 Bp vorne, während der vergangenen 6 Monate um 106 Bp. Im Laufzeitbereich über 15 Jahre ist ist das Plus deutlich größer.
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