Frau Lagarde war hawkish, aber wird der Einlagensatz bis Mitte 2027 auf 3,25% steigen?
Die EZB betonte am 10. September erneut, dass die Rückführung der Inflation auf 2 % ihr zentrales Mandat bleibt. Zusammen mit der Aufwärtskorrektur der Inflationsprojektionen für 2027 und 2028 sowie dem verbesserten Wirtschaftsausblick steht die Tür für eine weitere Zinserhöhung auf 2,75 % (voraussichtlich im Dezember) weit offen. Am Markt werden nach dem heutigen Zinsschritt weitere Anhebungen um insgesamt 75 Bp
Die EZB betonte am 10. September erneut, dass die Rückführung der Inflation auf 2 % ihr zentrales Mandat bleibt. Zusammen mit der Aufwärtskorrektur der Inflationsprojektionen für 2027 und 2028 sowie dem verbesserten Wirtschaftsausblick steht die Tür für eine weitere Zinserhöhung auf 2,75 % (voraussichtlich im Dezember) weit offen.
Am Markt werden nach dem heutigen Zinsschritt weitere Anhebungen um insgesamt 75 Bp auf 3,25 % beim Einlagensatz bis Mitte 2027 eingepreist. Im Vergleich zum Zinszyklus 2022/2023 läge der Gipfel damit „nur“ 75 Bp unter dem damaligen Höchststand (4,0 %) – und das, obwohl die Inflationsdynamik diesmal deutlich moderater verläuft (im Oktober 2022 lag die Teuerung in der Spitze bei 10,6 %). Gleichzeitig wirkt die Geldpolitik durch den laufenden Abbau der EZB-Bilanz (Quantitative Tightening) bereits spürbar straffer als 2022/2023, weshalb das zinsseitige Gegensteuern eigentlich moderater ausfallen kann.
Wir von Zins² halten an unserer Einschätzung fest: Das aktuelle bärische Flattening ist übertrieben, und die extremen Zinserwartungen dürften sich so nicht realisieren. Solange die Öl- und Gaspreise jedoch weiter steigen, bleibt die Nervosität an einem Markt hoch, der im kurzen und mittleren Laufzeitenbereich weiterhin „long“ positioniert ist und wo ein bärisches Flattening der Pain-Trade ist.
Vergleich des EZB-Statements vom Juli mit dem vom 10. September
1. Umschwenken von Beobachten auf aktives Gegensteuern: Im Juli betonte die EZB, mit den unveränderten Zinsen „gut positioniert“ zu sein, um die Unsicherheit abzuwarten, da der Energiepreisschock infolge des Nahost-Konflikts noch nicht vollständig in den Daten angekommen sei. Im September stellte die EZB fest, dass der Konflikt weiterhin Inflationsdruck erzeugt, was die Zinsanhebung notwendig machte.
2. Klares Signal zur Risikolage: Während im Juli noch die Unsicherheit über die Dauer des Schocks im Vordergrund stand, stuft die EZB das Inflationsrisiko im September explizit als aufwärtsgerichtet ein.
3. Höhere Inflationserwartungen auf mittlere Frist: Die im September vorgelegten neuen gesamtwirtschaftlichen Projektionen wurden für die Jahre 2027 und 2028 nach oben korrigiert. Selbst im Jahr 2028 rechnet die EZB nun mit einer Gesamtinflation von 2,1 % und einer Kerninflation von 2,3 % – die Rückkehr zum 2 %-Ziel verzögert sich somit weiter.
4. Höhere Resilienz der Wirtschaft: Ein Grund für die hartnäckigere Inflation ist laut September-Statement auch eine unerwartet starke Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft im Euroraum. Die Wachstumsprognosen für 2027 und 2028 wurden im Vergleich zu den Projektionen vom Juni recht deutlichnach oben revidiert, was den Nachfragedruck und damit das Risiko von Zweitrundeneffekte auf die Preise verstärken würde.
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