Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 27.08.2026 · 10:43

Gaspreis stärker als Öl im Fokus der EZB

Unabhängig vom kurzfristigen Auf und Ab beim Ölpreis gilt eine Zinserhöhung der EZB am 10. September als nahezu gesichert. Die jüngst aufgehellten Konjunkturdaten aus der Eurozone – allen voran aus dem bisherigen Sorgenkind Deutschland – verfestigen diese Markterwartung. Ob dies jedoch, wie von Zins² bislang angenommen, der finale Zinsschritt im aktuellen Zyklus bleibt, wird neben dem Ölpreis vor allem auch vom Erdgaspreis

Unabhängig vom kurzfristigen Auf und Ab beim Ölpreis gilt eine Zinserhöhung der EZB am 10. September als nahezu gesichert. Die jüngst aufgehellten Konjunkturdaten aus der Eurozone – allen voran aus dem bisherigen Sorgenkind Deutschland – verfestigen diese Markterwartung. Ob dies jedoch, wie von Zins² bislang angenommen, der finale Zinsschritt im aktuellen Zyklus bleibt, wird neben dem Ölpreis vor allem auch vom Erdgaspreis bestimmt. Mit 65 EUR/MWh notiert der europäische Gaspreis auf dem höchsten Stand seit Anfang 2023 und hat sich seit Ende Februar mehr als verdoppelt. Dagegen hat der Preis von Brent Crude nur um etwa 20% zugelegt. Der Anstieg des Gaspreises während der letzten Wochen spiegelt zunehmend die Sorge vor kritisch niedrigen Lagerbeständen in Europa wider: Mit rund 51% liegen die Füllstände der deutschen Gasspeicher derzeit drastisch unter dem Drei-Jahres-Durchschnitt von 85% zu dieser Jahreszeit und unter dem von Ende August 2021 (53%)

Sollte es im kommenden Winter zu einer ausgeprägten Kälteperiode kommen, drohen physische Lieferengpässe und eine Zunahme der Preisvolatilität bei Gas. Das Risiko von Zweitrundeneffekte auf die Kerninflation könnte von der EZB dann kaum ignoriert werden. Zwar liegt aus Sicht von Zins² die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Leitzinsanhebung der EZB auf dann 2,75% im Februar/März 2027 – und damit auf ein als restriktiv angesehenes Zinsniveau – aktuell nur bei etwa 30%, sie hat sich im Vormonatsvergleich jedoch etwas erhöht. Steigende Lebensmittelpreise aufgrund der Hitzewelle in Europa sowie den Zerstörungen der Verladeinfrastruktur für Getreide und Ölsaaten in der Ukraine und Russland gilt es ebenfalls zu beobachten.


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