Goldpreisverfall - viel Technik etwas Makro
Der Goldpreis hat seit dem Hoch bei 5.595 USD am 29. Januar mehr als 25 % abgegeben und notiert aktuell mit 4.150 USD auf dem niedrigsten Niveau seit Ende November 2025. Seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen den USA/Israel und dem Iran hat der Verkaufsdruck deutlich zugenommen, auch wenn der aktuelle Goldpreis verglichen mit dem Stand von Anfang
Der Goldpreis hat seit dem Hoch bei 5.595 USD am 29. Januar mehr als 25 % abgegeben und notiert aktuell mit 4.150 USD auf dem niedrigsten Niveau seit Ende November 2025. Seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen den USA/Israel und dem Iran hat der Verkaufsdruck deutlich zugenommen, auch wenn der aktuelle Goldpreis verglichen mit dem Stand von Anfang 2025 weiterhin ein Plus von etwa 60 % aufweist. Die nächsten wichtigen technischen Unterstützungsniveaus sind 4075 USD und 3600 USD (Fibonacci Retracements).
Die grundsätzlichen Argumente für Gold – Sorgen um die Schuldentrag-fähigkeit bei Staatsanleihen, eine De-Dollarisierung der Weltwirtschaft, eine mögliche fiskalische Dominanz der Geldpolitik sowie das Risiko einer Politisierung der US-Notenbank – haben indes weiter Bestand bzw. haben in den vergangenen Monaten sogar an Bedeutung gewonnen. Entsprechend schwierig ist es, mit makroökonomischen Argumenten die aktuelle Preisbewegung zu erklären. Gleiches gilt allerdings auch für den exponentiellen Goldpreisanstieg 2025. Entsprechend sehen wir von Zins² die aktuelle Preiskorrektur vor allem als technische Bewegung, die durch eine im Vorfeld einseitige Long-Positionierung an Dynamik gewonnen hat. Einzelne makroökonomische Argumente – u. a. auch die Sicht von Kevin Warsh, die Fed-Bilanz weiter zu reduzieren – könnten der Bewegung im Vorfeld von Warshs erster Fed-Sitzung am 17. Juni zusätzliche Dynamik verliehen haben. Wir würden sie jedoch nicht überbewerten.
Mögliche Ursachen des Goldpreisrückgangs
- Der Markt hatte zwar nach dem Hoch Ende Januar 2026 schon etwas korrigiert, doch dürfte die überwiegende Zahl der Marktteilnehmer weiterhin „long“ positioniert gewesen sein – teils mit erheblichen Buchgewinnen. Angesichts des seit Ende Februar zunehmend schwierigeren Kapitalmarktumfelds dürfte grundsätzlich die Bereitschaft bzw. Notwendigkeit zu Gewinnmitnahmen zugenommen haben.
- Hawkishes Repricing der Geldpolitik / steigende Realrenditen: Der Ölpreisschock sowie das anhaltend starke US-Wirtschaftswachstum haben zu deutlichen Aufwärtsrevisionen der Zinserwartungen bezüglich der Zentralbanken geführt. Während die EZB am 11. Juni eine erste Straffung um 25 Bp vornehmen dürfte und ein weiterer Schritt im September vollständig eingepreist ist, haben sich seit Ende Februar auch die Erwartungen für die Fed deutlich gedreht – von einer Zinssenkung um 50 Bp hin zu einer Zinsanhe-bung um 25 Bp bis Jahresende. Entsprechend haben Nominal- wie auch Realrenditen über die Zinskurven hinweg angezogen. Die zunehmend schuldenfinanzierten KI-Investitionen im Gleichklang mit hohen staatlichen Haushaltsdefiziten sorgen ebenfalls für positive Impulse bei den Realrenditen. Die Opportunitätskosten für Gold angesichts eines leicht negativen Cashflows (Aufbewahrungskosten) steigen, was Verkaufsentscheidungen auslösen kann. Angesichts der während der vergangenen Jahre nur schwach ausgeprägten Korrelation zwischen nominalen und realen Renditen auf der einen und dem Goldpreis auf der anderen Seite lässt sich dieses Argument aber statistisch kaum belegen.
- Goldverkäufe von Schwellenländer-Zentralbanken: Zentralbanken aus Schwellenländern, die in den vergangenen Jahren mit ihren Käufen den Goldpreis stützten, sind angesichts geopolitischer Unsicherheiten zu Verkäufern geworden, um mit der generierten Liquidität ihre eigene Währung zu stützen. Laut Medienberichten nutzte allein die türkische Zentralbank seit Ende Februar 130 Tonnen Gold, um US-Dollar-Liquidität zu generieren.
- Zolleffekte in Asien: Indien hat am 13. Mai 2026 die Importzölle auf Edelmetalle überraschend von 6 % auf 15 % angehoben, was die physische Nachfrage dort merklich dämpft. Indische Käufe machen etwa 20 % der globalen Goldnachfrage aus.
Fazit von Zins²
Wir wären skeptisch, zu viel in die aktuelle Marktbewegung „hineinzulesen“, und sehen die Korrektur zum Teil weiterhin als Gegenbewegung zur ebenfalls nur unzureichend zu erklärenden Rally von 2025. Da die grundsätzlichen Argumente für die Assetklasse der Edelmetalle im Rahmen der Erosion der Safe-Haven-Rolle von Staatsanleihen weiterhin Bestand haben oder sogar an Bedeutung gewonnen haben, würden wir bei einer Stabilisierung der geopolitischen Situation und einer Beruhigung an den Energiemärkten und dann nachlassenden technischen Verkaufsargumenten auch mit einer Stabilisierung des Goldpreises rechnen.
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