Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 28.01.2026 · 08:35

Keine Überraschung heute bei der Fed; EURUSD >1,20 wird Thema für EZB und europäische Aktien

Nach drei Zinssenkungen wird die Fed heute Abend signalisieren, dass sie es nicht eilig hat, die Zinsen schnell weiter zu senken. Ähnlich wie im Fall der EZB scheint die US-Geldpolitik aktuell bei 3,75 % gut positioniert, um abzuwarten. Das fundamentale Bild der US-Wirtschaft bleibt überraschend stark und Marktteilnehmer haben die Konsensprognose für das 2026er US-BIP-Wachstum seit Anfang Dezember um 0,

Nach drei Zinssenkungen wird die Fed heute Abend signalisieren, dass sie es nicht eilig hat, die Zinsen schnell weiter zu senken. Ähnlich wie im Fall der EZB scheint die US-Geldpolitik aktuell bei 3,75 % gut positioniert, um abzuwarten.

Das fundamentale Bild der US-Wirtschaft bleibt überraschend stark und Marktteilnehmer haben die Konsensprognose für das 2026er US-BIP-Wachstum seit Anfang Dezember um 0,5%-Punkte auf 2,4% yoy angehoben. Trotz statistischer Verzerrungen (u. a. durch DOGE-bezogene Pensionierungswellen bei Staatsangestellten) hält sich auch die Arbeitslosenquote mit 4,4 % recht stabil. Solange es deshalb keine klare Entwarnung von der Inflation gibt (Core PCE Nov. 2,8 %) wird die Fed die Zinsen im leicht restriktiven Bereich halten können.

Spannend wird die Pressekonferenz trotzdem. Einerseits dürfte Powell zumindest die Tür für eine Zinssenkung am 18. März leicht geöffnet halten (4Bp eingepreist). Zudem wird er die Unabhängigkeit der Fed betonen und könnte Hinweise geben, was er nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender der Fed (bis 15. Mai 26) anstrebt: Den traditionellen Rücktritt vom Board der Fed oder aber angesichts der Sorgen vor einer Politisierung der Fed ein "Weitermachen" als „einfaches“ Board-Mitglied bis zum Ende seines Mandats im Dezember 2028.

Im Fokus stehen zudem Powells Reaktionen auf mögliche Fragen zur USD-Abschwächung und dem Kursanstieg von Edelmetallen („Debasement-Trade“). Da die USD-Schwäche zuletzt jedoch weniger von Veränderungen in der Geld- als vor allem von der Geopolitik getrieben wurde, wären wir von Zins² überrascht, wenn Powell sich hier positionieren würde. Wir gehen grundsätzlich von weiteren Rückgängen im USD-Index aus – auch weil dies das erklärte Ziel von Trump ist. Auch der anhaltende Anstieg im Goldpreis unterstreicht den Vertrauensverlust beim USD. Allerdings steht inzwischen der RSI-Index von EURUSD bei über 70 und damit im „überkauft“ Bereich. Gleichzeitig notiert das 1M Risk-Reversal von EURUSD (Differenz der impliziten Volatilitäten von 25D Call und 25D Put) mit 1,55 auf einem 5-Jahreshoch, so dass wir vorsichtig wären, den EURUSD-Anstieg kurzfristig linear fortzuschreiben.

Im Gegensatz zu den nur begrenzten Auswirkungen der bisherigen EURUSD-Aufwertung auf EZB-Zinserwartungen und europäische Aktien erwarten wir von einem Anstieg in EURUSD über 1,20 hinaus deutlichere cross-market Implikationen. Im Umfeld der schon jetzt schwachen Exportwirtschaft müssten Konjunkturerwartungen nach unten revidiert werden und die aktuell bis Juli 2026 eingepreisten 5 Bp an Zinssenkung für die EZB erschienen zu knapp bemessen. Eine steilere Zinskurve zwischen 2 und 10 Jahren aber auch eine Underperformance europäischer Exportwerte bei Aktien wären wahrscheinlich.


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