Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 07.05.2026 · 14:52

Kevin Warsh übernimmt nächste Woche das Ruder bei der Fed: Kein „Big Bang“

Mit dem Amtsantritt am 15. Mai strebt der neue Chairman der Fed Kevin Warsh eine grundlegende geldpolitischen Neuausrichtung der Notenbank an. Doch trotz Warshs ambitionierter Agenda deutet die aktuelle Arithmetik im zentralen Entscheidungsgremium der Fed, dem Offenmarktausschuss (FOMC), darauf hin, dass eine schnelle Umsetzung seiner Pläne ausbleiben wird. Dies dürfte die unmittelbaren Marktauswirkungen zunächst begrenzen, auch wenn der Boden für

Mit dem Amtsantritt am 15. Mai strebt der neue Chairman der Fed Kevin Warsh eine grundlegende geldpolitischen Neuausrichtung der Notenbank an. Doch trotz Warshs ambitionierter Agenda deutet die aktuelle Arithmetik im zentralen Entscheidungsgremium der Fed, dem Offenmarktausschuss (FOMC), darauf hin, dass eine schnelle Umsetzung seiner Pläne ausbleiben wird. Dies dürfte die unmittelbaren Marktauswirkungen zunächst begrenzen, auch wenn der Boden für eine strukturell etwas höhere Volatilität bereitet wird.

Die drei Säulen der Warsh-Agenda 

1. Bilanz-Regimewechsel und „kommunizierende Röhren“: Warsh betrachtet die Fed-Bilanz und den Leitzins nicht als isolierte Instrumente, sondern als „kommunizierende Röhren“. Seine These: Eine deutlich kleinere Bilanz reduziert den neutralen Zins (r*) und schafft damit paradoxerweise Raum für niedrigere Leitzinsen. Ziel ist die Rückkehr zum System der „knappen Reserven“ (Scarce Reserves) aus der Ära vor 2008. Konkret strebt Warsh eine Reduktion der Bilanzsumme von aktuell ca. 21% auf lediglich 6 bis 10% des US-BIP an. Dies käme einem massiven Liquiditätsentzug gleich, der die Transmission der Geldpolitik wieder stärker auf den Preismechanismus (Zins) statt auf die Quantität (Liquidität) fokussieren soll. 

2. „Trimmed Mean PCE Deflator“ als neuer Inflations-Kompass: Um den geldpolitischen Spielraum zu erweitern, setzt Warsh auf das Narrativ einer KI-getriebenen Produktivitätssteigerung. Er argumentiert, dass technologische Sprünge ein höheres Wirtschaftswachstum ohne inflationäre Überhitzung ermöglichen. Statistisch untermauert er dies durch die Bevorzugung des Trimmed Mean PCE Deflators. Da diese Kennzahl extreme Preisausreißer eliminiert, liefert sie derzeit ein deutlich konstruktiveres Bild: Per März 2026 liegt der Trimmed Mean PCE bei 2,36%, während die klassische PCE-Kernrate noch bei 3,2% verharrt. Dieser Fokus erlaubt eine expansivere Zins-Rhetorik, ohne das offizielle 2%-Stabilitätsziel für die PCE-Kernrate formal aufgeben zu müssen. 

3. Ende/Einschränkung der Forward Guidance: Ein Kernelement von Warshs Strategie ist die Wiedergewinnung der institutionellen Handlungsfreiheit. Dies soll durch die Abschaffung oder Einschränkung der Forward Guidance sowie eine Reduktion der „Dot Plots“ erreicht werden. Warsh will den Markt bewusst im Unklaren lassen, um die übermäßige Abhängigkeit der Akteure von den Prognosen der Fed zu brechen. 

Die institutionelle Hürde: Fed-Chef ist nur Primus inter Pares 

Trotz seiner hervorgehobenen Rolle ist der Fed-Vorsitzende in der institutionellen Architektur der Fed nur Primus inter Pares. Die Umsetzung seiner Agenda hängt damit von der Mehrheitsfindung im FOMC ab. Mit 12 stimmberechtigten Mitgliedern (7 Gouverneure, der Präsident der New York Fed und 4 rotierende Regional-Präsidenten) ist Warsh auf Konsens angewiesen. 

Obwohl er auf die Unterstützung von Chris Waller und Michelle Bowman zählen kann, stellt der Verbleib von Jerome Powell im Board of Governors ein potenzielles Gegengewicht dar. Da die Bilanzpolitik eine Kernkompetenz des gesamten Gremiums ist, wird es für einen „Big Bang“ beim Quantitative  Tightening (QT) vermutlich auf absehbare Zeit keine Mehrheit geben. Warsh wird seinen Einfluss daher primär über die Kommunikation ausspielen und bei der Inflationsmessung versuchen, den diskursiven Rahmen in Richtung  Trimmed Mean zu verschieben. 

Die Markterwartungen von Zins² 

Für Investoren bedeutet der Wechsel an der Spitze der Fed damit als erstes eine neue Form der Kommunikation. Eine reduzierte  Forward  Guidance dürfte dabei die implizite Volatilität an den Märkten etwas steigen lassen. Solange der neue Vorsitzende Warsh jedoch die Mehrheit im FOMC nicht von seiner umfangreichen Agenda überzeugen kann, werden die  Marktauswirkungen insgesamt eher begrenzt sein. Mittelfristig erscheinen eine etwas steilere Zins-Kurve und ein schwächerer USD die wahrscheinlichsten Szenarien. Gleicherweise haben wir jedoch wenig Zweifel daran, dass die Fed für den Fall einer erneuten Finanzkrise auch erneut auf Bilanzausweitung zurückgreifen würde, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Der “Fed Put” bleibt damit zumindest in abgeschwächter Form erhalten. 


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