Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 10.09.2026 · 12:29

Konsens-Steepener-Trade gerät angesichts steigender Energiepreise unter die Räder - bleibt aber grundsätzlich attraktiv

Die Marktbewegungen seit Anfang der Woche fallen vor allem am Zinsmarkt recht stark aus: Wir beobachten ein starkes bärisches Flattening der EUR-Zinskurve im Laufzeitenbereich von 2 bis 30 Jahren und spürbare Schwäche bei französischen Staatsanleihen (OATs). Haupttreiber dieser Entwicklung ist die geopolitische Eskalation zwischen den USA und dem Iran, die den Rohölpreis (Brent Crude) auf über 100 USD klettern

Die Marktbewegungen seit Anfang der Woche fallen vor allem am Zinsmarkt recht stark aus: Wir beobachten ein starkes bärisches Flattening der EUR-Zinskurve im Laufzeitenbereich von 2 bis 30 Jahren und spürbare Schwäche bei französischen Staatsanleihen (OATs). Haupttreiber dieser Entwicklung ist die geopolitische Eskalation zwischen den USA und dem Iran, die den Rohölpreis (Brent Crude) auf über 100 USD klettern ließ und den europäischen Erdgaspreis auf 80 EUR/MWh hochzog. Letzteres entspricht einem Anstieg von rund 150 % im Jahresvergleich und liegt deutlich über dem Niveau von Ende Juli (59 EUR/MWh). Da die europäischen Erdgasspeicher historisch gering gefüllt sind – in Deutschland liegt der Füllstand derzeit bei nur 55 % gegenüber dem Fünfjahresdurchschnitt von 82 % zu dieser Jahreszeit –, bleiben die Aufwärtsrisiken beim Gaspreis dominant. Energie hat insgesamt einen Anteil von etwa 10% am HICP-Warenkorb, wovon 2% direkt auf Gas entfallen. 

Der Energiepreisschock traf auf eine Marktpositionierung, in der 5/30-jährige Steepener-Trades der klare Konsens waren. Die erzwungene Auflösung und Eindeckung dieser Positionen führte zu sprunghaften Bewegungen der Zinskurve, verstärkt durch die derzeit ohnehin dünne Marktliquidität. Während wir bei Zins² bislang von einer diplomatischen Lösung des US-Iran-Konflikts und folglich wieder nachgebenden Energiepreisen ausgingen, fehlen dafür aktuell greifbare Anzeichen. Auch Hoffnungen, dass die erneute Diplomatie-Offensive zwischen den USA und Russland bezüglich der Ukraine Ergebnisse bringt, die dann auch zu einer Entspannung am Energiemarkt führen, sind derzeit bestenfalls als Tail-Risk einzustufen. 

Auch wenn EZB-Präsidentin Lagarde auf der heutigen Pressekonferenz gemessen an den Leitzinserwartungen kaum weiteres „Öl ins Feuer gießen“ wird, was temporär für etwas Entlastung im 2- bis 5-jährigen Laufzeitenbereich sorgen dürfte, bleibt das Umfeld extrem volatil. Setzt sich der Trend steigender Energiepreise fort, bewegt sich das Inflationsbild rasch in das adverse Szenario der EZB. Angesichts des Inflations-Traumas von 2022/2023 nimmt der Druck auf die Währungshüter damit zu, weitere Zinsanhebungen in den restriktiven Bereich in Betracht zu ziehen (>2,50%). Der Markt preist derzeit zwar etwa 80 Basispunkte an EZB-Zinserhöhungen ein, deren tatsächliche Umsetzung wir aus fundamentaler Sicht kaum für realistisch halten, doch können die Zinserwartungen im aktuellen Umfeld temporär sogar noch weiter steigen. Angesichts der negativen Konsequenzen für die Konjunktur und Staatsanleihenspreads halten wir jedoch an der Sicht fest, dass mittelfristig (6 Monate) die EZB-Zinserwartungen wieder deutlich nachgeben werden. An der grundsätzlichen Attraktivität einer Steepener-Position 5-30 hat sich aus unserer Sicht wenig geändert. 


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