Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 01.03.2026 · 14:58

Montag, 02. März 2026 – Marktöffnung unter Ausnahmebedingungen

Die konzertierte Militäroperation Israels und der USA gegen den Iran verfolgt das strategische Ziel eines Regime-Wechsels. Trotz der Bestätigung des Todes des Obersten Führers Khamenei ist der Erfolg dieser Ambition zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Da die iranischen Vergeltungsschläge gegen israelische Zentren und US-Basis im Persischen Golf bislang jedoch limitiert und militärisch weitgehend  unwirksam waren, erwarten wir für den Montagmorgen nur

Die konzertierte Militäroperation Israels und der USA gegen den Iran verfolgt das strategische Ziel eines Regime-Wechsels. Trotz der Bestätigung des Todes des Obersten Führers Khamenei ist der Erfolg dieser Ambition zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Da die iranischen Vergeltungsschläge gegen israelische Zentren und US-Basis im Persischen Golf bislang jedoch limitiert und militärisch weitgehend  unwirksam waren, erwarten wir für den Montagmorgen nur eine moderate und "kontrollierte" „Risk-off“-Reaktion an den Kapitalmärkten. Zum Teil dürfte schon der Rückgang der 10-jährigen UST-Rendite unter 4 % am Freitag eine Reaktion auf steigende geopolitische Risiken gewesen sein.

Trotz der von der OPEC angekündigten Produktionsausweitung um 206 Tsd. Barrel pro Tag dürfte der Ölpreis primär aufgrund der geopolitischen Risikoprämie um 10 bis 20 USD nach oben gappen. Aktien: Wir erwarten initiale Abgaben von 1,0 % bis 1,5 %. Dabei dürften europäische Indizes aufgrund der energetischen Abhängigkeit und geografischen Nähe gegenüber US-Benchmarks unterperformen. Zinsen & FX: Der US-Dollar wird als „Safe Haven“ gesucht sein. An den Rentenmärkten erwarten wir ein Bull-Flattening der Kurve (2/10 Jahre), wobei Staatsanleihen (Bunds/Treasuries) gegenüber Swaps deutlich outperformen sollten.  

Die Gretchenfrage: Die Straße von Hormuz 

Die Dauer der Marktverwerfungen hängt stark von der Passierbarkeit der Straße von Hormuz ab. Rund 20 % des globalen Ölverbrauchs sowie die Exporte Katars – des drittgrößten LNG-Exporteurs weltweit – fließen durch dieses Nadelöhr. 

Szenario 1: Die Schifffahrt bleibt frei 

Die Weltmärkte sind aktuell strukturell mit Öl eher überversorgt. Dies erklärt, warum die Ölpreise trotz der Eskalationsdynamik der Vorwochen nicht nachhaltig ausgebrochen sind. Ein kurzfristiger Preissprung bei Öl würde deshalb schnell wieder abverkauft werden, sobald die Sicherheit der kommerziellen Schifffahrt durch die US-Marine garantiert ist. Die Risikomärkte würden mit einer kräftigen Erleichterungsrallye reagieren; das Bull-Flattening der Zinskurven dürfte sich schon bald wieder zurückbilden. .

Szenario 2: Blockade der Meerenge (> 2 Wochen) 

Eine vollständige Blockade durch iranische Seeminen oder asymmetrische Angriffe der Revolutionsgarden könnte den Ölpreis laut Analystenschätzungen auf 120–130 USD treiben. Zwar ist der Iran militärisch kaum in der Lage, die Sperrung über Monate gegen die USA aufrechtzuerhalten, doch bereits eine zweiwöchige Unterbrechung würde stagflationäre Impulse für die Weltwirtschaft auslösen. In diesem Fall dürfte die initiale Flucht in Anleihen in ein Bear-Steepening umschlagen, da die Inflationserwartungen (Break-evens)  anspringen und das lange Ende der Zinskurven belasten. 

Zeitstrahl der  Informationsverarbeitung am Kapitalmarkt: 

Phase 1: Maximale Unsicherheit (Montag–Dienstag) Ruhe bewahren. Die Liquidität ist extrem dünn, die Geld-Brief-Spannen vergrößern sich. Gold, USD und Staatsanleihen sind die Ankerpunkte. Öl handelt sehr nervös

 Phase 2: Operative Differenzierung (Mittwoch–Freitag): Der Markt beginnt, die tatsächliche Effektivität der US-Schutzmaßnahmen für die freie Passage der Straße von Hormuz  einzupreisen. Ein kritischer Faktor wird die Haltung Chinas sein. Sollte Peking als Hauptabnehmer iranischen Öls mäßigend auf die verbliebenen Reste der Revolutionsgarden einwirken, wäre dies ein starkes Entspannungssignal. Meldungen über einen faktischen Waffenstillstand oder Kapitulationssignale aus Teheran würden eine massive Eindeckung von Short-Positionen auslösen. 

Phase 3: Einpreisen der neuen Geopolitik (Woche 2–3): Das Machtvakuum nach Khamenei wird zur entscheidenden Variablen. Eine pragmatische Militärjunta, die das Überleben der Institutionen sichert, würde die Risikoprämien schnell wieder einengen. Ein chaotischer Zerfall (Analogie: Irak 2003) würde  Risikoprämien  strukturell erhöht lassen. Die Unsicherheit über die Kontrolle von Waffensystemen und Proxy-Milizen (Hisbollah/Huthis) würde eine dauerhafte „Chaos-Prämie“ auf alle Assets im Nahen Osten und energieintensive Sektoren legen. 


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