Niedriger Rheinpegel und tiefe Gasfüllstände unterstreichen Abwärtsrisiken für die deutsche Konjunktur
Die Kombination aus historisch niedrigen Gasfüllständen in Deutschland bzw. der EU und dem Rekord-Tiefstand des Rheinpegels deutet auf einen doppelten Angebotsschock für die deutsche Wirtschaft hin, der Stagflationsrisiken birgt. Der Rhein bildet als zentrale Binnenwasserstraße das Rückgrat für den Transport von Kohle, Mineralöl, chemischen Grundstoffen und Baustoffen. Am maßgeblichen Pegel Kaub (Mittelrhein) für die Rheinschifffahrt, wird nach durchschnittlich 125
Die Kombination aus historisch niedrigen Gasfüllständen in Deutschland bzw. der EU und dem Rekord-Tiefstand des Rheinpegels deutet auf einen doppelten Angebotsschock für die deutsche Wirtschaft hin, der Stagflationsrisiken birgt.
Der Rhein bildet als zentrale Binnenwasserstraße das Rückgrat für den Transport von Kohle, Mineralöl, chemischen Grundstoffen und Baustoffen. Am maßgeblichen Pegel Kaub (Mittelrhein) für die Rheinschifffahrt, wird nach durchschnittlich 125 cm zwischen April und Anfang Juli nun ein Rekordtiefstand von 25 cm gemessen. Schiffe können in dieser Situation häufig nur noch zu 20% beladen werden. Dies führt zu logistischen Engpässen, zwingt Industrieunternehmen – allen voran Chemiekonzerne – zur Drosselung ihrer Produktion und erschwert die Belieferung von Kraftwerken und Raffinerien. Ein Ausweichen auf Schiene und Lkw ist angesichts bestehender Kapazitätsgrenzen nur eingeschränkt möglich, auch da höhere Vorleistungskosten angesichts des internationalen Wettbewerbsdrucks kaum auf die Exportpreise weitergeben werden können. Die gesamtwirtschaftlichen Wachstumseinbußen im 3. und 4. Quartal könnten damit höher ausfallen als beim letzten extremen Niedrigwasser 2018. Damals beliefen sie sich auf schätzungsweise 0,2-0,4 %-Punkte des BIP.
Gleichzeitig unterstreicht der im Jahresvergleich historisch niedrige Füllstand der deutschen Erdgasspeicher (47% ggü. 77% im 10-Jahresdurchschnitt Anfang August) die Verwundbarkeit der Energieversorgung im kommenden Winter. Aufgrund des Krieges im Persischen Golf bleibt das Angebot an verfügbarem Flüssiggas weltweit begrenzt und eine Normalisierung des Aufbaus der Reserven in den kommenden Monaten kaum möglich. Die knappen Gasreserven dürften dabei nicht nur den Gas- sondern auch den Strompreis (Merit Order Effekt = das (Gas-)Kraftwerk mit den höchsten Grenzkosten bestimmt den Strompreis im Netz) in den Wintermonaten auf erhöhten Niveaus halten. Für die energieintensive Industrie steigt damit das Risiko rentabilitätsbedingter Stilllegungen oder – im Extremfall – behördlicher Verbrauchsbeschränkungen. Die Unsicherheit über Versorgungssicherheit und Preisentwicklung dürfte die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dämpfen und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich untergraben. Auf Seiten der privaten Haushalte führen höhere Gaspreise in der Heizperiode zu steigenden Nebenkosten und damit zu Kaufkraftverlusten, was den privaten Konsum belastet.
Hürde für EZB Zinsen über 2,5% hinaus anzuheben bleibt hoch!
Während die aktuell erhöhte Kerninflation die Erwartungen auf eine Zinserhöhung der EZB im September stützen, überwiegt mittelfristig jedoch der wachstumsdämpfende Charakter des Rheinniedrigwassers bzw. höherer Gas- und Strompreise. Dies stützt die These von Zins², dass die Hürde für Zinsanhebungen der EZB über 2,5% hinaus recht hoch ist. Entsprechend halten wir trotz der allgegenwärtigen Nervosität an den Zinsmärkten mit Blick auf die Situation im Persischen Golf an den Erwartungen für eine Kurvenversteilung zwischen 5 und 30 Jahren fest.
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