Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 26.06.2026 · 16:38

Trotz Rückkehr des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus und fallendem Ölpreis: Die Luft für 5-jährige Bunds wird dünner

Zum Wochenschluss setzt sich der Abwärtstrend beim Ölpreis dynamisch fort: Mit aktuell 72,2 USD pro Barrel (Brent Crude Front Contract) notiert der Preis nur noch knapp über seinem Niveau von Februar, nachdem am 20. Mai noch ein Zwischenhoch von 111 USD verzeichnet worden war. Dieser drastische Preisverfall um rund 35% war in den vergangenen fünf Wochen der wesentliche Katalysator

Zum Wochenschluss setzt sich der Abwärtstrend beim Ölpreis dynamisch fort: Mit aktuell 72,2 USD pro Barrel (Brent Crude Front Contract) notiert der Preis nur noch knapp über seinem Niveau von Februar, nachdem am 20. Mai noch ein Zwischenhoch von 111 USD verzeichnet worden war. Dieser drastische Preisverfall um rund 35% war in den vergangenen fünf Wochen der wesentliche Katalysator für das umfassende Repricing an den Zins- und Rentenmärkten.

Die von Zins² seit Längerem als der „Sweet Spot“ der Kurve bezeichnete 5-jährige EUR-Rendite (Bunds) gab seit Mitte Mai um rund 30 Basispunkte (Bp) nach. Ausgehend vom aktuellen Niveau (2,59% bei 5J Bunds) wird die Luft für weitere Renditerückgänge nun jedoch zunehmend dünner. Bei Annäherung an die Marke von 2,50% würden wir taktische Long-Positionen reduzieren, da sich das Chance-Risiko-Verhältnis hier spürbar verschlechtert:

1. Fundamentale Bodenbildung beim Ölpreis voraus: Eine dynamische Fortsetzung des Ölpreisverfalls deutlich unter die psychologische Marke von 70 USD erscheint unwahrscheinlich. Zum einen erfordert das verbleibende geopolitische Restrisiko einer erneuten, temporären Blockade der Straße von Hormus weiterhin eine strukturelle Risikoprämie. Zum anderen dürfte die einsetzende Zusatznachfrage zur Wiederauffüllung der strategischen Ölreserven (insbesondere in den USA) sowie das Erreichen der Rentabilitätsgrenze vieler US-Schieferölproduzenten weiteren Preisrückgängen als Stütze entgegenwirken.

2. Restriktive EZB limitiert das Abwärtspotenzial der Renditen: Solange die Europäische Zentralbank (EZB) ihren geldpolitischen Straffungs-Bias nicht offiziell aufgibt – oder der Markt handfeste Anzeichen für eine echte Zinssenkungsdiskussion sieht (was angesichts einer zähen Kerninflation im Dienstleistungssektor verfrüht ist) –, fehlt den Rentenmärkten der fundamentale Treibstoff. Ein nachhaltiger Rutsch der 5-jährigen Bundrendite unter 2,50% ist vor diesem Hintergrund vorerst kaum zu erwarten.

Ein Festhalten an bestehenden Long-Positionen auch unter 2,50% ließe sich damit allenfalls als mittel- bis langfristige „Call-Option“ zur strukturellen Absicherung gegen ein konjunkturelles Schwächeszenario in der Eurozone oder den USA – oder ein disruptives Auspreisens der aktuellen KI-Euphorie, das eine entsprechende Kettenreaktion an den globalen Aktien- und Credit-Märkten nach sich ziehen würde, begründen.


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