Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 19.01.2026 · 15:59

Trump & Grönland: Das Ende der europäischen Appeasement-Strategie und potentielle Marktauswirkungen

Risikowahrnehmung an den Märkten nimmt zwar zu, doch halten sich Anleihe‑ und Aktienmärkte mit klaren Schlussfolgerungen zur geopolitischen Eskalation um Grönland bislang zurück. Nur Gold zeigt die erwartete deutlich positive Reaktion. Trumps Zolldrohungen wegen der europäischen Haltung zu Grönland und sein bizarrer Brief an Norwegen, in dem er die Zölle mit der ausbleibenden Vergabe des Friedensnobelpreises an ihn begründet, markieren

Risikowahrnehmung an den Märkten nimmt zwar zu, doch halten sich Anleihe‑ und Aktienmärkte mit klaren Schlussfolgerungen zur geopolitischen Eskalation um Grönland bislang zurück. Nur Gold zeigt die erwartete deutlich positive Reaktion.

Trumps Zolldrohungen wegen der europäischen Haltung zu Grönland und sein bizarrer Brief an Norwegen, in dem er die Zölle mit der ausbleibenden Vergabe des Friedensnobelpreises an ihn begründet, markieren das Ende der Appeasement‑Strategie der EU gegenüber der aktuellen US‑Regierung.
Die Entwicklung zwingt die EU zu schnellerer strategischer Autonomie gegenüber den USA, was eine gemeinschaftliche Außen‑ und Verteidigungspolitik sowie ein Mehr an gemeinschaftlicher Schuldenaufnahme nach sich ziehen wird.

Die EU dürfte in diesem Umfeld von wichtigen Index‑Providern als Sovereign Emittent anerkannt werden, was die Investorenbasis weiter stärken würde. Wir von www.zins2.de sehen die Entwicklung als Argument für eine strukturelle Underperformance deutscher Bundesanleihen (teuerster Emittent auf der Kurve) gegenüber anderen Staatsanleihen der Euroländer. Auch Anleihen der EU, des ESM oder der EIB haben Potenzial, gegenüber Bunds zu outperformen. Gegenüber dem Korb aus BIP‑gewichteten Euroland‑Staatsanleihen wirken 2‑, 5‑ und 30‑jährige EU‑Anleihen attraktiv, während 10‑jährige EU‑Laufzeiten teuer erscheinen.

Kurvenentwicklung: Viel hängt davon ab, wie Trump auf eine EU reagiert, die auf Gegenmaßnahmen statt auf Appeasement setzt.

1) Trump setzt auf Eskalation: Die Kurve zwischen 2 und 10 Jahren, aber auch zwischen 5 und 10 Jahren sollte sich versteilen. Ein eskalierender Zollstreit würde Konjunkturrisiken in wichtigen Eurolandstaaten auslösen, den Risk‑off‑Schub bei Aktien verstärken und damit EZB‑Zinssenkungs-erwartungen anheizen. Gleichzeitig würde die Notwendigkeit fiskalischer Gegenmaßnahmen steigen was das lange Ende der Kurve underperformen ließe.

2) Sollte Trump dagegen — etwa aufgrund von Druck aus der Republikanischen Partei oder dem Supreme Court — zurückrudern (wir von www.zins2.de sehen dafür eine Chance von über 50 %), würden verstärkte fiskalpolitische Impulse innerhalb der EU das kurze Ende der Kurve wieder in Richtung einer auf Sicht der kommenden Quartale unveränderten EZB‑Zinspolitik zurückpendeln lassen.. Erwartungen auf ein mehr an fiskalischer Integration in der EU dürften trotzdem anhalten und die Safe-Haven Prämie bei Bunds sollte erodieren und Bunds underperformen.


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