USA erhöhen den Druck auf Iran und Status quo bei Öl wird in Frage gestellt: Implikationen für die EUR-Kurve und Zinsvolatilität
Der Ölpreis bewegt sich derzeit in engen Bandbreiten. Das nur moderate Ausmaß der Backwardation am Futures-Markt – der Brent-Crude-Frontkontrakt notiert lediglich rund 10 USD über dem zwölften Terminkontrakt – signalisiert zwar eine gewisse kurzfristige physische Angebotsknappheit, deutet längerfristig jedoch auf eine Entspannung der Versorgungslage hin. Dieser Status quo spiegelt die Markteinschätzung wider, dass die Schwelle für eine Rückkehr zum
Der Ölpreis bewegt sich derzeit in engen Bandbreiten. Das nur moderate Ausmaß der Backwardation am Futures-Markt – der Brent-Crude-Frontkontrakt notiert lediglich rund 10 USD über dem zwölften Terminkontrakt – signalisiert zwar eine gewisse kurzfristige physische Angebotsknappheit, deutet längerfristig jedoch auf eine Entspannung der Versorgungslage hin. Dieser Status quo spiegelt die Markteinschätzung wider, dass die Schwelle für eine Rückkehr zum offenen militärischen Konflikt für beide Seiten hoch bleibt und der Konflikt mittelfristig in eine Phase niedriger Intensität übergeht bzw. „einschläft“.
Dieses Basisszenario wird durch die für die kommende Woche angekündigte deutliche Verschärfung der US-Sanktionen gegenüber dem Iran in Frage gestellt. Ein solcher Schritt versetzt den Iran unter Zugzwang und lässt zwei divergierende Szenarien entstehen: Entweder kehrt der Iran an den Verhandlungstisch zurück – wobei die USA die Konditionen diktieren dürften – oder es kommt zu einer militärischen Eskalation (entweder direkt oder hybrid über Irans Verbündete im Jemen/Libanon/Irak). Im ersten Fall würden geopolitische Risikoprämien am Ölmarkt abgebaut, und Brent Crude dürfte in Richtung 70 USD zurückfallen. Im zweiten Szenario erscheint ein Anstieg des Ölpreises deutlich über die Marke von 100 USD plausibel, zumal eine Eskalation im Roten Meer durch die Huthis als wahrscheinliche Begleiterscheinung einzukalkulieren wäre.
Die makroökonomischen Implikationen und damit die Auswirkungen auf EZB und Zinskurve divergieren in beiden Szenarien erheblich. Im Deeskalationsszenario dürften die Inflationserwartungen im Euroraum – gemessen an den 5-Jahres-Inflationsswaps – in Richtung des Vorkrisenniveaus von unter 2% nachgeben, auch wenn eine letzte Zinsanhebung der EZB im September weiterhin als wahrscheinlich gilt. Die EUR-Kurve würde sich versteilen. Im Eskalationsszenario hingegen erscheint eine Rückkehr zu einem bärischen Flattening sowohl der EUR- als auch der USD-Zinskurve nahezu unausweichlich, da steigende Energiepreise erneut Stagflationsrisiken in den Vordergrund rücken würden. Wir von Zins² messen angesichts der sich neuen Ausgangslage dem Eskalationsszenario eine zunehmende Wahrscheinlichkeit zu und ändern damit unsere bisherige Einschätzung. Das von uns in der Vergangenheit propagierte Steepening-Szenario zwischen 5 und 30 Jahren muss zumindest temporär mit Blick auf Renditerückgänge im vorderen Kurvenbereich in Frage gestellt werden. Die Argumente für anhaltende Nervosität und höhere Renditen am langen Ende der Kurve bleiben dagegen unverändert intakt. Insgesamt nimmt die Wahrscheinlichkeit für ein Anziehen der Volatilität am Zinsmarkt in den kommenden Tagen zu.
|
Weitere Artikel und Live Feed mit Marktkommentaren auf zins2.de |
|
Zins² by ICM InvestmentBank AG
Tel.: +49 (0) 30 887 106 0 |
|