Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 14.07.2026 · 14:38

USA-Iran: Keine Rückkehr zu voller Eskalation, EUR-Kurve behält Steepening-Potential unterstützt von US CPI

Die am 17. Juni zwischen den USA und dem Iran unterzeichnete Absichtserklärung (MoU) zur Öffnung der Straße von Hormus und zur Einstellung der Kampfhandlungen erweist sich de facto als hinfällig. Die vagen Formulierungen des Abkommens ließen von Beginn an Raum für fundamentale Fehlinterpretationen. Zudem fehlt es auf beiden Seiten an Vertrauen für längerfristige Vereinbarungen. Die Hemmschwelle für militärische Provokationen bleibt

Die am 17. Juni zwischen den USA und dem Iran unterzeichnete Absichtserklärung (MoU) zur Öffnung der Straße von Hormus und zur Einstellung der Kampfhandlungen erweist sich de facto als hinfällig. Die vagen Formulierungen des Abkommens ließen von Beginn an Raum für fundamentale Fehlinterpretationen. Zudem fehlt es auf beiden Seiten an Vertrauen für längerfristige Vereinbarungen. Die Hemmschwelle für militärische Provokationen bleibt damit niedrig. Teheran setzt in diesem Konflikt gezielt auf eine strategische Asymmetrie: Die eigene Resilienz gegenüber ökonomischen Schmerzen wird im Iran deutlich höher eingeschätzt als die Toleranz der US-Administration für volatile Energiepreise im Vorfeld der Midterm-Wahlen im November.

Wir bei Zins² hatten seit April die Wahrscheinlichkeit einer diplomatischen Lösung am Persischen Golf und eine damit einhergehende Entspannung an den Energiemärkten als Basisszenario angesehen. Daran gekoppelt war unsere Erwartung eines moderateren als anfänglich vom Markt eingepreisten Zinspfads der EZB und eine Outperformance des 5-jährigen Laufzeitenbereichs. Wie bereits in unserer „Kompass“-Publikation vom 1. Juli skizziert, sahen wir das Potenzial für eine Fortsetzung dieses Szenarios Ende Juni jedoch als zunehmend ausgereizt an. Überrascht hat uns in den letzten Tagen daher weniger die grundsätzliche Richtung der Renditebewegung als vielmehr die ausgeprägte Dynamik und das Ausmaß des bärischen Flattenings der EUR-Zinskurve. Dieses Phänomen spiegelt die klassische Stagflations-Sorge des Rentenmarktes wider: Energiepreisgetriebene Inflationsängste treiben das kurze Ende, während das lange Ende bereits die wachstumsdämpfenden Effekte des Ölpreisschocks einpreist.

Ölpreis sollte sich in Bandbreite zwischen 75 - 90 USD halten

Auch wenn der Ölpreis (Brent Crude) temporär über die Marke von 90 USD pro Barrel ausbrechen kann, erachten wir die Hürde für eine unkontrollierte, vollumfängliche militärische Eskalation auf beiden Seiten als hoch. Für Teheran wiegen die ökonomischen Folgen der reaktivierten US-Seeblockade sowie das Risiko einer irreparablen Beschädigung der heimischen Infrastruktur schwer. Auf der Gegenseite limitieren knappe Bestände an Angriffs- und Abfangmunition im Verbund mit Trumps Sorge vor inflationsbedingten Stimmenverlusten im November den operativen Spielraum der USA. In unserem Basisszenario gehen wir daher von einer Rückkehr zu einem Zustand des angespannten Waffenstillstands aus, der zwar immer wieder von lokalen militärischen Zwischenfällen überschattet wird, eine eingeschränkte Durchfahrt der Straße von Hormus aber erlaubt. Für Brent Crude erwarten wir eine volatile Seitwärtsbewegung in einer Range von 75 bis 90 USD.

EZB Zinserhöhung im September auf 2,50% aber nicht weiter

Für die Geldpolitik der EZB bedeutet dieses Umfeld, dass wir eine Zinserhöhung auf der anstehenden Sitzung Ende Juli weiterhin ausschließen. Wir halten an unserer Prognose eines finalen Zinsschritts um 25 Basispunkte auf dann 2,50% im September fest. Die derzeit am Geldmarkt eingepreiste geldpolitische Straffung auf bis zu 2,75% bis Februar 2027 erachten wir als zu restriktiv, auch da die US-Inflationszahlen für Juni mit einem Rückgang der Kerninflation von 2,8% auf 2,6% massiv nach unten überraschten und Falken im FOMC zunächst ruhigstellen dürften. Entsprechend sehen wir bei Zins² nach dem Anstieg des 5-jährigen Swapsatz auf 3% nun wieder erneutes Potential für unsere Steepener-Positionierung im Segment 5 gegen 30 Jahre und halten an einem leicht positiven Gesamt-Delta fest. Unser Bestand an ultralangen SSA- und Staatsanleihen mit Laufzeiten von über 45 Jahren fungiert dabei als Gegengewicht, sollte sich das aktuelle Bear-Flattening der EUR-Kurve aufgrund steigender geopolitischer Risikoprämien hartnäckiger erweisen als von uns und vom Markt erwartet.


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