Michael Ramon Klawitter
Michael Ramon Klawitter 16.06.2026 · 15:41

Drehbuch für die EUR-Zinskurve scheint aufzugehen - was nun?

Unser makroökonomisches Drehbuch bezüglich der Öffnung der Straße von Hormus sowie der daraus resultierenden EZB-Zinserwartungen ist bislang aufgegangen. (Hier nochmals der Link zu unserem Zins²-Kompass vom 3. Juni.) Trotz anhaltend widersprüchlicher Meldungen über den konkreten Inhalt des Abkommens, das am kommenden Freitag zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet werden soll, signalisieren beide Seiten ein hohes Interesse an

Unser makroökonomisches Drehbuch bezüglich der Öffnung der Straße von Hormus sowie der daraus resultierenden EZB-Zinserwartungen ist bislang aufgegangen. (Hier nochmals der Link zu unserem Zins²-Kompass vom 3. Juni.) Trotz anhaltend widersprüchlicher Meldungen über den konkreten Inhalt des Abkommens, das am kommenden Freitag zwischen den USA und dem Iran unterzeichnet werden soll, signalisieren beide Seiten ein hohes Interesse an einer Einigung. Eine zügige Öffnung der Straße von Hormus zeichnet sich somit ab. Ein daraus resultierender Rückgang des Ölpreises in Richtung 70 USD ist realistisch, was die Inflationsdynamik dämpft und die Szenarien für die EZB verschiebt. Hawkishe Töne aus dem EZB-Rat dürften an Überzeugung verlieren.

Vor diesem Hintergrund ist aus Sicht von Zins² allenfalls eine letzte Zinserhöhung im September plausibel, wobei die Wahrscheinlichkeit hierfür – wie bereits in der Vergangenheit beschrieben – kaum deutlich über 50% liegt. Der nachlassende Druck von der Energiekostenseite dürfte auf den gesamten Warenkorb abstrahlen und reduziert für die EZB den geldpolitischen Zugzwang. Entsprechend hat die EUR-Zinskurve seit der EZB-Sitzung am 11. Juni das von uns erwartete deutliche „Bullish Steepening“ im Segment zwischen 5 und 30 Jahren vollzogen. Die 5-jährigen Swapsätze fielen um rund 12 Basispunkte (Bp), während am langen Ende bei den 30-jährigen Sätzen lediglich ein Rückgang um 5 Bp zu verzeichnen war (Referenz jeweils €STR-Swap).

Wie geht es weiter? Solange die EZB die Zinsen im September erneut um 25 Bp anhebt und der Markt nicht vorzeitig auf eine rasche Rücknahme der geldpolitischen Straffung im kommenden Jahr setzt, dürfte der aktuelle €STR-Swapsatz (5 Jahre bei 2,50%) strukturell wenig Spielraum für Rückgänge bieten. Allerdings neigen Märkte zum Überschießen – insbesondere dann, wenn eine fundamentale Schlüsselvariable wie der Ölpreis weiter nachgibt und die kurzfristige Sentiment-Welle antreibt. Entsprechend würden wir aktuell unverändert an der Steepener-Positionierung festhalten und auf Rückgänge mittlerer Laufzeiten Richtung 2,45% ESTR-Swap, 2,55% Bunds) setzen. Darüber hinaus erscheint uns die Luft dann aber recht dünn und wir würden Long-Positionen in die Kursstärke hinein eher reduzieren.


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